Die Zuger Künstlerin verbrachte Ende 2025 eine inspirierende Zeit im Artist in Residence-Programm Proyecto' Ace in Buenos Aires. Dort arbeitete sie sowohl mit neuen Drucktechniken und entwickelte auch eine fantasievolle Landschaft aus instabilen Türmen. Diese Werke –zusammen mit ihrem neuen Film THE TOWER – zeigt sie nun im im Kulturhaus Gewürzmühle.
Nina Stähli in der Gewürzmühle
Zwischen Bühne und Bildraum: Nina Stähli
Nina Stähli, geboren 1961 in Cham (ZG), findet ihren Weg in die Kunst nicht im stillen Atelier, sondern auf der Bühne. Früh zieht es sie ins Schauspielstudium nach Rom – in eine Stadt, in der Körper, Raum und Geschichte untrennbar ineinandergreifen. Später folgt die Bildhauerei in Zürich. Zwei Ausbildungen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – und die sich in ihrem Werk bis heute gegenseitig befragen, widersprechen und ergänzen.
Viele Jahre arbeitet Stähli im Theater, bevor sie sich immer entschiedener der bildenden Kunst zuwendet. Ihre Arbeiten entstehen seither zwischen Skulptur, Film, Installation, Malerei und Performance. Kein Medium steht für sich allein. Jedes ist Teil eines grösseren Zusammenhangs, eines fortlaufenden Erzählraums, den sie über Jahre hinweg weiterbaut. Ihre Kunst denkt nicht in abgeschlossenen Werken, sondern in offenen Kosmen: Was heute als Skulptur beginnt, kann morgen als Film weiterleben oder sich in einer Performance verwandeln.
Thematisch kreist Stählis Arbeit um die menschliche Existenz – um Körper, Rollen, Verletzlichkeit und gesellschaftliche Spannungen. Sie interessiert sich für das, was unter der Oberfläche liegt: für Übergänge, Brüche, Zustände des Dazwischens. Ihre experimentellen, transdisziplinären Ansätze sind dabei nie Selbstzweck. Sie dienen einer Erzählweise, die nicht linear ist, sondern tastend, suchend, manchmal widersprüchlich – so wie das Leben selbst.
Internationale Ausstellungen und Projekte führen sie unter anderem nach Berlin, Luzern, Mendrisio oder aktuell in die Gewürzmühle in Zug. Doch egal, wo ihre Arbeiten entstehen: Sie wirken immer wie Fragmente einer grösseren Geschichte, die nie abgeschlossen ist. Nina Stähli arbeitet weiter an diesem offenen Erzählen – mit jedem neuen Werk ein weiteres Kapitel.
THE TOWER
Nina Stähli stellt grundlegende Fragen des Menschseins und verbindet dafür viele künstlerische Ausdrucksformen: Skulptur, Film, Installation und Malerei. So entsteht ein ganz eigener ästhetischer Kosmos – eine «Gesamtgeschichte» –, ein offenes Erzählfeld, das aus der künstlerischen Forschung unserer Gegenwart erwächst. Im ihrem Film THE TOWER begegnen wir ikonischen Kopfskulpturen «Big Heads», jenen lebhaften, hybriden Figuren aus Mensch, Tier und Skulptur. Sie erklimmen ein rohes Bauwerk, das sich von einem einfachen Turm in eine Rakete verwandelt. Macht und Verwandlung stehen im Zentrum dieser visuellen Erzählung.
Zwei Gegenspieler
Im Rahmen der Ausstellung von Nina Stähli vertonen die Zuger Musiker Linus Meier und Linus Amstad drei ihrer jüngsten Filme. Musik und Sound haben bekanntlich einen grossen Einfluss auf unsere Wahrnehmung bewegter Bilder. Sie verschieben Stimmungen, Erzählrhythmen und Bedeutungen und können eine Szene fast willkürlich von Zärtlichkeit oder Bedrohung, Stille oder Bewegung vewandeln. Da es Nina Stählis Filme keine gesprochene Sprache gibt, entsteht alles in der Spannung zwischen Bild und Ton. Die Vertonung von Linus Meier und Linus Amstad wird so zu einem gleichwertigen Partner der Filmerin, zuweilen auch zu ihrem Gegenspieler.
(Textgrundlage: Pressetext)
