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© Stefan Altenburger | Ausstellungsansicht Nathalie Du Pasquier, Geometrische Opulenz, Museum Haus Konstruktiv, 2022.

Museum Haus Konstruktiv | Geometrische Opulenz

Geometrie und Opulenz – ein vermeintliches Gegensatzpaar im Fokus

Mit der Ausstellung präsentiert das Museum Haus Konstruktiv eine grosse Gruppenschau, die einen lustvollen Umgang mit der geometrischen und abstrakten Kunst zelebriert. Zu erleben sind Werke von John Armleder, Claudia Comte, Sylvie Fleury, Franziska Furter, Peter Halley, Mary Heilmann, Timo Nasseri, Nathalie Du Pasquier und Elza Sile.

Impulsgeber der abstrakten Kunst

Geometrie und Opulenz werden im Allgemeinen als Gegensatzpaar aufgefasst: Während Geometrie für Rationalität, Ordnung und Reduktion steht, wird Opulenz mit vereinnah- mender Üppigkeit, Übermass und Redundanz assoziiert. Ein Blick in die Geschichte der Kunst zeigt, dass beide durchaus miteinander verbunden sind, insbesondere wenn ein geometrisches Motiv in der Vervielfältigung ornamentale Züge annimmt oder zum Muster wird. Der Kunsthistoriker Markus Brüderlin bemerkte in einem Text von 2012 (erschienen in dem Sammelband Ornament. Motiv – Modus – Bild), dass sich das Ornamentale in der abstrakten Kunst des 20. Jahrhunderts immer wieder als wichtiger Impulsgeber zeige und sich spätestens in der neu erstarkten Abstraktion der 1980er-Jahre im «Hang zum Ornamentalen» verstärkt äussere.

Der Opulenz auf der Spur

Am Beispiel national und international renommierter Kunstschaffender stellt das Museum Haus Konstruktiv in der Ausstellung Geometrische Opulenz die Frage, wie es heute um die Verschränkung von Geometrie und Opulenz steht, ab wann etwas als opulent gelesen wird und wie die Gegenwartskunst diesen Themen begegnet. Die eingeladenen Künstler:innen lassen dem Spiel mit Strategien der Vervielfältigung, Verdichtung und Verräumlichung abstrakt-geometrischer Elemente eine besondere Rolle zukommen. Opulenz entsteht hier zum Beispiel durch imposante Formate, eine geballte Ladung Farbe oder eine Häufung von Materialien jeglicher Art. Eine weitere Spielform besteht darin, den zweidimensionalen Bildraum zu verlassen und den Realraum zu vereinnahmen. Ganz im Sinne der Opulenz wurde allen Kunstschaffenden möglichst viel Raum gegeben, sodass sich die Gruppenausstellung aus weitgehend eigenständigen Einzelpräsentationen zusammensetzt. Allen gemeinsam ist, dass sie in ihrer künstlerischen Sprache an Geometrie und Struktur, Variationen und Systemen interessiert sind und zugleich die grosse Geste, der die Opulenz bedarf, beherrschen. Die Ausstellung «Geometrische Opulenz» zeigt, wie inspirierend es sein kann, längst zementierte Sichtweisen und vermeintliche Gegensätze wie jenen zwischen Geometrie und Opulenz aufzubrechen und so Raum für überraschende Zusammenspiele zu eröffnen.

Text: Museum Haus Konstruktiv

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