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Kunstmuseum Thurgau | Phillips-Dietrich

Wäre Peter Fischli mit dem Pop-Art-Künstler Richard Phillips nicht in die Kronenhalle essen gegangen, gäbe es wohl auch diese Ausstellung nicht.

Zufall Kronenhalle
Zwei Künstler, die auf den ersten Blick gegensätzlicher nicht sein könnten: der 1964 in Massachusetts geborene und international hoch dotierte Pop-Art-Künstler Phillips und der 1957 in Berlingen verstorbene Aussenseiterkünstler Dietrich prallen in der Ausstellung förmlich aufeinander. Richard Phillips’ erste Begegnung mit Dietrichs Werk ist einer Begebenheit in der Zürcher Kronenhalle zu verdanken, als der mit ihm befreundete Peter Fischli ihn nach einem gemeinsamen Essen in den zweiten Stock entführte, um ihm die dort hängenden Gemälde zu zeigen. Als sie zu Dietrichs Zeichnung «Zwei Eichhörnchen» kamen, war Phillips augenblicklich gefesselt von der intensiven Präsenz der Darstellung: «Die emotionale Tiefe und subtile Beobachtungsgabe haben mich sehr berührt», erzählt er. Phillips entschloss sich, Dietrichs Bilder- und Formensprache quasi von innen her, im Nachmalen, zu erlernen. Im Jahr 2003 entstand so das erste Gemälde nach Dietrich mit dem Titel «Similar to Squirrels. After A. Dietrich», eine ins grosse Format transformierte Kopie einer Reproduktion von Dietrichs Gemälde «Zwei Eichhörnchen» aus dem Jahr 1932. Daraus entwickelte sich eine tiefe Auseinandersetzung mit Dietrichs Werken, die seither andauert.

Gegenüberstellung
In der Ausstellung «Malerei und Aneignung» findet nun eine eigentliche Gegenüberstellung der Bilder statt, in der die Visionen der beiden Künstler spürbar werden. Sie thematisiert sowohl Unterschiede als auch Ähnlichkeiten. Dietrich wie Phillips nutzen dieselben Sujets für ihre Werke: Tiere, Menschen und Landschaften. Gleichzeit überhöhen beide die Gegenständlichkeit stilistisch zu einem Grad von Künstlichkeit, die weit über die Darstellung der Realität hinaus geht.

Radikale Neuinterpretation
Die Begegnung der beiden führt zu einer radikalen Neuinterpretation. Phillips’ Arbeiten werden oft als zu wörtlich übertragen kritisiert, während Dietrichs Kunst als naiv gilt. Durch den Aneignungsprozess werden nun beide Werke unter ein neues Licht gestellt. Dies unterstreicht nicht nur die klassische Qualität von Richard Phillips’ Bildern, sondern offenbart auch die radikalen Qualitäten von Adolf Dietrichs Kompositionen.

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