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Kunstmuseum Luzern | Vom Band zum Byte - Digitalisierung der Videosammlung

Wie bewahrt man Videokunst auf? Das Kunstmuseums Luzern zeigt seine Antworten auf die Frage in einer umfangreichen Ausstellung.

Kunstwerke brauchen Pflege. Eine bröckelnde Farbschicht oder vergilbtes Papier können durch konservatorische Massnahmen gesichert werden. Wie aber gehen Kunstmuseen mit ihren Sammlungen von Medienkunst um? Die Ausstellung vermittelt einen Einblick in zeitgemässe Präsentationsformen, wenn das Rattern von Filmprojektoren und das Flimmern von Röhrenmonitoren wegfällt, und fragt nach der Digitalisierung nicht nur von Kunst, sondern auch unseres Alltags.

Restauration, Lagerung und Erhaltung
Wann weiss man, dass etwas dringend medial aufbereitet und auf ein neues Trägermedium übertragen werden sollte? Was bedeutet das ursprüngliche Medium heute noch? Wie bewahrt man Videokunst auf? Wie nachhaltig sind digitale Daten? Was bedeutet ein medialer Transfer für die Präsentation? Ist das Werk noch dasselbe, wenn das Rattern von Filmprojektoren oder das Flimmern von Röhrenmonitoren wegfällt? Während bei den klassischen Medien auf die Erfahrung von Jahrzehnten zurückgegriffen werden kann, stellen sich bei der Restauration, Lagerung und Erhaltung von Medienkunst völlig neue Fragen. Ein gezielter Umgang mit Medienkunst ist ein wichtiges und oft vernachlässigtes Thema für Institutionen. Budget und Knowhow sind dafür nicht selten zu klein.

Herausforderung Medienkunst
Das Kunstmuseum Luzern besitzt zahlreiche Videoarbeiten aus den 1960er- bis 1980er-Jahren – damals ein vollkommen neues Medium. Die rasante technische Entwicklung seither hat Filmformate und Abspielgeräte veralten lassen. Mediale Kunst in den Filmformaten 16mm, 32mm und Super8, Schallplatten, Musikkassetten, VHS-, Betacam- und U-matic-Videos waren nicht nur technisch, sondern oft auch inhaltlich experimentell und gelten bis heute in vielerlei Hinsicht als Avantgarde. Damit diese Kunstwerke weiterhin zugänglich bleiben, müssen sie in immer wieder erneuerbare Formen und Formate gebracht werden.

Zeitgemässe Präsentationsformen
Die Ausstellung präsentiert die Resultate des Digitalisierungsprozesses und vermittelt die Fragen und Probleme, die sich aus dem Medientransfer ergeben. Beispielsweise: Woran erkennt man, ob ein Film schon oft kopiert wurde und ob sein Ursprung womöglich kein Videoband, sondern eine Filmrolle war? Gerade bei den frühen Videoarbeiten sind oft Geräteeigenschaften – inklusive eigentlicher Nachteile – Ausgangspunkt für visuell-künstlerische Ideen. Ein gutes Beispiel dafür sind Hannes Vogels Video-Zeichnungen zur Präsenz. Der Künstler nutzt in seinen Kurzfilmen die Latenz der Röhrenkamera (damit ist die verlangsamte Aufzeichnung, das Verharren des Bildes gemeint), um Raumzeichnungen mit Licht zu schaffen.
Vom Band zum Byte vermittelt einen Einblick in zeitgemässe Präsentationsformen und erforscht, wie heute welche Werke vorgeführt werden können und sollen. Sie fragt nach dem Status von Medienarbeiten und thematisiert die Digitalisierung nicht nur von Kunst, sondern auch unseres Alltags. In eigens für die Vermittlung der Ausstellung gedrehten Videos erläutert die Expertin Agathe Jarczyk den Prozess der Digitalisierung und Künstler erzählen, was sie damals am neuen Medium interessierte.

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