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Kunsthaus Zug | Christa de Carouge

Gesamtschau auf das Lebenswerk der ‹dame en noir›, die einzigartig die Grenzen zwischen Mode und Kunst auslotete. Sie starb unerwartet am 17. Januar.

Seit November 2017 sind die Räume des Kunsthauses Zug in Schwarz anzutreffen: Christa de Carouge ist zu Gast und das ist auch nach ihrem unerwarteten Tod, am 17. Januar 2018 nicht anders, denn ihre Schaffen bleibt unsterblich. Retrospektiv arbeitete Carouge in Zug erstmals ihr Schaffen in einer Gesamtschau auf. Eine Ausgangslage, die gleichzeitig Blicke zurück und auch nach vorne verlangt.

Textile Intervention
De Carouge zeigt, was sie aus einer reichen Karriere mitgenommen hat und öffnet auch den Vorhang für eine ganz neue Bühne, für ein grosses Experiment: Sie bespielt das gesamte Kunsthaus und interveniert mit Stoffen in die reale Architektur des Kunsthauses. ‹Bitte berühren› heisst es da, wenn ihre Installationen zum Anfassen, Überziehen und Umhängen einladen. «Das ist für mich der Höhepunkt und Abschluss meiner beruflichen Tätigkeit», so de Carouge über die Möglichkeit im Kunsthaus Zug eine solche, für sie völlig neuartige, Ausstellung umsetzen zu können.

Kleider, die eine Lebenshaltung ausdrücken
«Meine Kleider sind keine Mode», sagt de Carouge. Vielmehr seien sie Wohnraum für die Menschen, die sich in sie einhüllen. Eine Behausung, in der man sich an jedem beliebigen Ort zuhause fühlen könne. Sie sieht zwischen Trägerin und Kleid eine Beziehung, die Trends und Kurzlebigkeit trotzt. De Carouges künstlerische Anfänge reichen in die 1970er-Jahre zurück, sie hat die Debatte um das hiesige Frauenbild mit ihren Entwürfen begleitet und mitgestaltet. Ihre ersten Arbeiten sind aus dem Gefühl des Aufbruchs entstanden und haben bis heute viel mit Freiheit zu tun. ‹La dame en noir› kleidet nicht nur sich selbst seit rund einem Vierteljahrhundert ausschliesslich in Schwarz. Auch ihre weit gefassten, charakteristischen Entwürfe sind es. Schwarz lenke nicht ab, lasse den Blick frei für Strukturen und Eigenheiten von Textilien, sagt sie.

Von Carouge in die Welt hinaus
Im Genfer Vorort Carouge unterhielt sie ab 1978 ein eigenes Atelier – ein prägender Ort für die Designerin, derart, dass sie ihn als Künstlername wählte. Als eine der wenigen Schweizerinnen schreibt sie auch über die Landesgrenze hinaus Modegeschichte, verkaufte ihre Designs nicht nur in Zürich, sondern auch in vielen europäischen Metropolen. 2013 beendete Christa Furrer, wie de Carouge mit bürgerlichem Namen heisst, ihre Karriere.

*Umfangreiches Begleitprogramm
Die Ausstellung in Zug zeigt neben Installationen auch Skizzen und Fotos und wird von Veranstaltungen begleitet. In einer Tradition der Grenzbereiche zur Kunst erforscht das Kunsthaus Zug mit einer Vertreterin aus dem Textildesign ein weiteres Mal freigesetzte Bereiche. De Carouge ist während der gesamten Ausstellungsdauer regelmässig in ‹ihrem› Haus anzutreffen. Sie nimmt die Besuchenden auf Ausstellungsrundgänge mit, leitet Workshop-Teilnehmende an, selbst auf Tuchfühlung zu gehen, spricht an einem Sonntagnachmittag mit Martin Leuthold, Kreativdirektor bei Jakob Schlaepfer AG, St. Gallen, über ihre langjährige Zusammenarbeit und an einer Veranstaltung «Kunst über Mittag» mit der Schmuckkünstlerin Brigitte Moser aus Baar. Einen besonderen Leckerbissen spart sie sich für die Finissage auf, dann nämlich präsentiert sie eine ihrer aussergewöhnlichen Performances zu Musik von und mit Pianist, Komponist und Musikproduzent Nik Bärtsch. Das detaillierte Programm ist auf der Webseite des Kunsthauses einsehbar.

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