Mit «unendlich endlich» widmet das Kunstmuseum Thurgau der Schweizer Künstlerin Isabelle Krieg eine umfassende Einzelausstellung — und erhält zugleich eine ortsspezifische Installation, die weit über die Museumsräume hinausreicht. In der Kartause Ittingen entsteht ein Kunstwerk, das Vergangenheit, Gegenwart und existenzielle Fragen miteinander verschränkt.
Kunst im Zeichen der Unendlichkeit — Isabelle Krieg in der Kartause Ittingen
Eine Ausstellung, die das Endliche mit dem Kosmischen verbindet — und ein ehemaliges Kloster in ein poetisches Denkzeichen verwandelt.
Zur Person
Isabelle Krieg, 1971 in Fribourg/Freiburg geboren, fand ihren Weg zur Kunst nicht über die klassische Akademielaufbahn, sondern über Umwege, die ihr Werk bis heute prägen. Nach der Matura arbeitete sie zunächst auf einer Alp im Wallis und in einem Kleinzirkus — Erfahrungen, die Körperlichkeit, Improvisation und existenzielle Nähe zur Natur vermittelten. In den folgenden Jahren bewegte sie sich zwischen Zirkus, Theater, Performance und bildender Kunst, studierte unter anderem an der Scuola Dimitri in Verscio sowie an der Hochschule für Design & Kunst in Luzern.
Den endgültigen Schritt in die bildende Kunst markierte ein Atelierstipendium in Berlin, das sie 1999 vom Kanton Freiburg erhielt — aus dem geplanten halben Jahr wurden vier prägende Jahre. Es folgten Aufenthalte am Schweizer Institut in Rom, längere Arbeitsphasen in Zürich und erneut in Berlin sowie mehrere Jahre in Dresden. Seit 2019 lebt die Künstlerin mit ihrer Familie in Kreuzlingen am Bodensee. Krieg arbeitet interdisziplinär in den Bereichen Installation, Objekt, Fotografie, Performance und Kunst am Bau — stets mit einem besonderen Gespür für fragile Materialien, poetische Eingriffe und die existenziellen Dimensionen des Alltäglichen.
Zwischen Alltag und Kosmos
Isabelle Kriegs Werk bewegt sich seit über drei Jahrzehnten im Spannungsfeld zwischen persönlicher Erfahrung und universeller Dimension. Ihre Installationen, Fotografien und Objekte greifen häufig auf unscheinbare Alltagsmaterialien zurück — Holz, Papier, Fundstücke, textile Elemente — und transformieren sie mit minimalen Eingriffen in poetische Metaphern. Dabei geht es nie um dekorative Effekte, sondern um grundlegende Fragen: Wie positioniert sich der Mensch in einer Welt, die zugleich begrenzt und unermesslich ist? Krieg reflektiert das menschliche Dasein zwischen Schutzbedürfnis und Aufbruch, zwischen Sehnsucht nach Geborgenheit und dem Drang nach Expansion. Ihre Arbeiten wirken oft fragil und still — und entfalten gerade dadurch eine existenzielle Intensität.
Ein Unendlichkeitszeichen als begehbare Erfahrung
Für die Kartause Ittingen hat die Künstlerin eine raumgreifende Intervention geschaffen, die das historische Ensemble selbst zum Teil des Kunstwerks macht. Ein grosses Unendlichkeitszeichen verbindet den Vorplatz des Museums mit dem ehemaligen Mönchsfriedhof im Inneren der Anlage — eine symbolische Geste, die Leben, Tod und Zeit miteinander verschränkt. So wird das ehemalige Kloster nicht nur Ausstellungsort, sondern Resonanzraum für eine Arbeit über Vergänglichkeit und Kontinuität. Die Architektur, die Geschichte des Ortes und die spirituelle Atmosphäre treten in Dialog mit der Gegenwartskunst. «unendlich endlich» ist damit weniger eine klassische Retrospektive als vielmehr ein Gesamterlebnis — ein Parcours, der Besucher:innen dazu einlädt, die eigene Existenz zwischen Endlichkeit und Unendlichkeit neu zu verorten.

