Das Kirchner Museum Davos zeigt erstmals eine umfassende Gegenüberstellung von Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso. Die Ausstellung vereint rund 100 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafiken aus führenden internationalen Museen und Privatsammlungen. Damit geht ein grosser Wunsch von Kirchner fast hundert Jahre nach seinem Tod in Davos in Erfüllung.
Kirchner trifft auf Picasso
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Die aktuelle Ausstellung im Kirchner Museum Davos lädt dazu ein, zwei grosse Namen der Kunstgeschichte neu zu sehen.
Ein Wunsch wird Realität
Der Ausgangspunkt der Ausstellung liegt bei Kirchner selbst: «… dass ich eine internationale Ausstellung erwarte, wo Picasso und ich nebeneinander hängen sollen», äusserte er 1933. Fast hundert Jahre später wird diese Vision erstmals Realität. «Kirchner. Picasso» versteht sich als Dialog zweier nahezu gleichaltriger Künstler, die zur selben Zeit arbeiten, sich jedoch nie begegnen – und grundlegend unterschiedliche Wege einschlagen. Die Ausstellung ist ein internationales Kooperationsprojekt des Kirchner Museum Davos mit dem LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster.
Zwei Wege, ein Jahrhundert
Berlin trifft Paris. Grossstadt trifft Atelier. Picasso prägt früh die Pariser Avantgarde und revolutioniert mit dem Kubismus die Formensprache der Moderne. Kirchner entwickelt seine Kunst im Umfeld der Künstlergemeinschaft «Brücke». Er macht Grossstadt, Körper und Bewegung zu zentralen Motiven und findet nach dem Ersten Weltkrieg in Davos neue Bildräume. Die Ausstellung verfolgt beide künstlerischen Wege über mehrere Jahrzehnte hinweg.
Gegensätze – und überraschende Nähe
Die Gegenüberstellung schärft den Blick. In thematischen Werkgruppen werden Gemeinsamkeiten sichtbar: im Umgang mit Körper und Raum, in der Auseinandersetzung mit populären Bildwelten wie Zirkus und Varieté oder in der Darstellung von Atelier- und Lebensräumen. Motive der Grossstadt mit ihren Licht- und Schattenseiten stehen ebenso im Fokus wie das Motiv der Badenden als Bild von Freiheit und Lebenslust. Trotz unterschiedlicher Haltungen reagieren Kirchner und Picasso auf ähnliche historische Umbrüche – mit jeweils eigener künstlerischer Sprache.
Kirchners Blick auf Picasso
Kirchner verfolgt Picassos Entwicklung aufmerksam und setzt sich früh und wiederholt mit dessen Werk auseinander – lange bevor Picasso 1932 in Zürich erstmals umfassend gezeigt wird. Die Ausstellung macht sichtbar, wie diese Auseinandersetzung Kirchners spätes Schaffen beeinflusst, ohne seine Eigenständigkeit aufzugeben. Sein Spätwerk erscheint damit nicht nur als Rückzug in die Bergwelt, sondern als bewusste Positionierung innerhalb der internationalen Moderne.
(Textgrundlage: Kirchner Museum Davos)
