Carl August Liner | «Dame mit Hut» | 1904 | Farbholzschnitt

Historisches und Völkerkundemuseum | Schlicht und einfach Liner. Druckgraphik und Zeichnungen

Berühmt ist er für seine bäuerlichen Landschaftsbilder und realistischen Porträts der Appenzeller Bevölkerung.

Das druckgrafische Werk von Carl August Liner wurde im Rahmen dieses Ausstellungsprojektes erstmals wissenschaftlich aufgearbeitet. Vorher war kaum etwas über die Bedeutung dieser Arbeiten bekannt. Im Mittelpunkt steht seine Druckgrafik. Die Ausstellung mitsamt Begleitpublikation wurde ermöglicht durch die Stiftung Landhaus Unterrain – Carl und Katharina Liner. Sie stellt dem HVM zudem Teile von Liners Atelier zur Verfügung.

Eine angesehene Künstlerpersönlichkeit
Liners Werdegang als Grafiker ist eine Erfolgsgeschichte. Sie eröffnet neue Blickwinkel auf die Kunstszene und künstlerischen Erneuerungsbewegungen um 1900. Künstler*innen entdeckten damals das Potenzial der Druckgrafik neu, um sich in der Öffentlichkeit einfacher und schneller einen Namen zu machen. Dazu gehörten die Radierung und insbesondere die Lithografie und der Holzschnitt. Auch war die Druckgrafik ein ideales Medium, um mit neuen künstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten im Sinne der zeitgenössischen Moderne zu experimentieren. Die Druck- und Werbegrafik erwies sich als ein entscheidender Impulsgeber für die rasant wachsende Popularität künstlerischer Stilrichtungen im Zuge der frühen klassischen Moderne.
Liner war eine angesehene Künstlerpersönlichkeit in der Schweiz und zeitweise auch in Deutschland. Er erlangte mit seiner Kunst, besonders mit seinen druckgrafischen Werken, internationale Aufmerksamkeit. Und: Er war in der Schweiz unter den ersten, die sich mit moderner Grafik beschäftigten und für deren Verbreitung und Popularisierung einsetzten. Grafisch tätige Künstler taten sich in Verbünden zusammen, um besser wahrgenommen zu werden und im Ausstellungswesen erfolgreicher auftreten zu können. Der Graphische Künstlerverband der Schweiz war hierzulande der erste dieser Art (später auch bekannt als Die Walze). Liner gehörte zusammen mit neun weiteren Personen zu seinen Mitbegründer*innen.

Pionier des Werbeplakates
Künstler*innen, die sich mit Druckgrafik beschäftigten, waren damals meist auch im Reklamewesen tätig. Sie trugen dazu bei, dass sich die Schweiz auch mit der internationalen Grafikszene messen konnte. Liner war unter den ersten, die in der Schweiz ein Werbeplakat im Sinne der zeitgenössischen Moderne schufen. Es entstand 1898/1899 anlässlich des Culturhistorischen Festzuges, einem aufwendigen historischen Umzug, der am 15. Mai 1899 in St.Gallen stattfand. Das Plakat ist in der Ausstellung zu sehen. Ausserdem erhält die Besucher*in erstmals einen Überblick über Liners druckgrafisches Werk. Eine Reihe von Holzschnitten bildet das Herzstück der Ausstellung. Sie gehören zu den besten druckgrafischen Arbeiten in der Schweiz aus jener Zeit. Dazu kommen Teile von Liners Atelier, eine Leihgabe der Stiftung Landhaus Unterrain – Carl und Katharina Liner. Sie vermittelt einen reizvollen Einblick in Liners Künstleralltag.

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