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Helmhaus | X Malerei in Zürich

Ein Fest, aber auch ein Test für die Augen der Besucherinnen und Besucher ist diese selektive Bestandesaufnahme in einem Medium, das die Aufmerksamkeit verdient, die ihm lange gefehlt hat und die es jetzt wieder geniesst.

Bekannte und vergessene Positionen kreuzen sich
In Zürich wird viel gemalt – und wenig Malerei ausgestellt. Zeit, das zu ändern. Figurativ oder ungegenständlich, elaboriert oder hingeworfen, romantisch oder kühl berechnend: Diese Ausstellung vermisst mit rund 150 Werken das Feld vielfältiger Zürcher Malerei. Neue und erfahrene, bekannte und vergessene Positionen kreuzen sich. Das X im Titel dient als Denkmodell und steht für eine malende Potenz, die mit der Multiplikation differenter Haltungen entsteht.

X
X steht hinter jedem gemalten Bild. Es ist die Form der Verstrebung des Leinwandchassis. X nimmt das Auge beim Wort. Oder täuscht es, führt es hinters Licht. X ist ein Platzhalter. Ein Bild, das noch wird, oder schon war. Das Bild der Malerei war ebenfalls, oder wird noch. Es hält Erinnerung fest oder erfindet Zukunft. X ist die Grundform aller im Helmhaus gezeigten Malerei. Das Rechteck wird nicht verlassen oder umgedeutet, höchstens gedreht. Die dritte Dimension wird höchstens ermalt. X hat unendlich viele Lösungen, auch in einer kleinen Grossstadt wie Zürich. X steht für exemplarische Individualität. Ist einmalig: einXig. X ist das Multiplikations- oder Mal-Zeichen. «Mal-Zeichen» hätte das Zeug, den Begriff «Gemälde» abzulösen. Denn jede Malerei ist immer auch semiotisch, zeichenhaft: Malerinnen und Maler setzen Zeichen. X-beliebige Möglichkeiten stehen der Malerin, dem Maler zur Verfügung. Und doch scheint in der Geschichte der Malerei alles schon gemalt. Auf diesem Geschichtsfeld, daran anknüpfend oder sich von ihm abhebend, wird weitergemalt. Auf dem Koordinatensystem der Malerei entstehen neue Knotenpunkte. Neue X. X ist weiss, wenn die Malerei nicht mehr weiter weiss. X ist Spiel. Ist Ernst. Ist beides in einem. Paradox. X lebt. X ist Malerei.

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