Ausstellungen
«Empire» von Michael Riley

Fondation Opale | Flüchtige Gegenwart

Eine faszinierende Ausstellung, die das Immaterielle sichtbar macht und das Vergängliche – sei es auch nur für einen kurzen Augenblick – festhält.

«Flüchtige Gegenwart» stellt die künstlerische Vielfalt der Ureinwohner Australiens vor und kombiniert eine sehr alte Kunstform mit einem neueren Medium. Die ursprünglich bei Zeremonien direkt auf den Boden gemalten Werke aus Wamulu – einer gelben Wüstenblume Zentralaustraliens – wurden mit Hilfe eines Bindemittels auf Tafeln aufgebracht, damit sie der Öffentlichkeit gezeigt werden können. Daneben untersuchen rund fünfzig Fotografien sensible Themen der australischen Kolonialgeschichte.

Die 2018 eröffnete Fondation Opale ist europaweit das einzige, der Aborigine-Kunst gewidmete Zentrum für zeitgenössische Kunst. Die Stiftung engagiert sich für die Förderung des Dialogs zwischen Völkern und Kulturen über das Medium der Kunst und stützt sich auf die Sammlung Bérengère Primat, die mit mehr als 1’300 Werken von fast 350 Künstler:innen eine der wichtigsten Sammlungen zeitgenössischer Aborigine-Kunst in Privatbesitz darstellt.

Zeitgenössische Fotografie und engagierte Kunst

Die zwischen den 1990er-Jahren und heute erstellten Fotoserien von Michael Riley, Tracey Moffatt, Tony Albert und Robert Fielding prangern die immer noch schmerzhaften Folgen der europäischen Invasion und der Enteignung der Aborigine-Völker an. Die Serien «Cloud» und «Sacrifice» sowie der Film «Empire» von Michael Riley behandeln die komplexen Folgen der Christianisierung, während die Bilder von Tracey Moffatt und Tony Albert die stereotypen Darstellungsweisen der Aborigine-Völker und die zahlreichen Formen des Rassismus aufzeigen, denen sie ausgesetzt sind. Mit der Serie «Objects of Origin» unterstreicht Robert Fielding, der Sohn eines Kindes der Gestohlenen Generationen, das Aufeinanderprallen der westlichen Kultur und der Aborigine-Kultur.

Traditionelle Wamulu-Malereien

Eine gelbe Blume, die in der Region von Alice Springs in Fülle wächst, dient als Ausgangsmaterial für die Bodenmosaike, die zu rituellen Zwecken angefertigt werden und wieder verschwinden, wenn das Ritual beendet ist. In einem aussergewöhnlichen Kunstprojekt, das von 2002 bis 2005 in der zentralaustralischen Wüste stattfand, wurden sie bewahrt. In den Werken geht es um die zentralen Traumzeitenthemen (Dreamings) der Wüstenregionen wie Feuer, Wasser und Emu. Die Wamulu- Bodenmalereien sind das Ergebnis einer Performance oder eines Ereignisses in der Gemeinschaft. Die Werke werden bei ihrer Anfertigung gleichzeitig gesungen, was die fortdauernde Verbindung mit der überlieferten Schöpfung unterstreicht. «Flüchtige Gegenwart» zeigt die kollaborativen Werke von Ted Egan Jangala, Dinny Nolan Tjampitjinpa, Johnny Possum Japaljarri und Albie Morris Jampijinpa.

Special-Focus-Ausstellungen

Parallel zu «Flüchtige Gegenwart» finden im Kunstzentrum in Lens zwei Special-Focus-Ausstellungen statt. Die erste in Form einer Ausstellung zum fünfzigsten Jahrestag der 1971 gegründeten Bewegung für zeitgenössische Aborigine-Kunst in der westlichen Wüste in Papunya (ab dem 12. Juni). Die zweite zeigt den fotografischen Blick der schweizerisch-guineischen Künstlerin Namsa Leuba, welche die Wahrnehmung der Kulturen des afrikanischen Kontinents durch den Westen in Frage stellt (ab dem 4. August).

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