Der Wolf ist aktuell ein grosses Thema in der Schweiz: Seine Rückkehr löst Debatten über Lebensräume, Landwirtschaft, Naturschutz und das Verhältnis von Mensch und Wildtier aus. Mit der Ausstellung «Der Wolf in der Gegenwartskunst» untersucht das Kunsthaus Zofingen den Wolf als Symbol und Mythos – und als real präsentes Tier in der Schweizer Landschaft und Gesellschaft. Die künstlerische Auseinandersetzung zeigt den Wolf als Projektionsfläche für Ängste, Sehnsüchte und Konflikte. Zugleich wirft sie Fragen auf: Wie viel Natur wollen wir zulassen? Welche Koexistenz mit Wildtieren ist möglich und tragbar? Und wie verändern Mythen, Ängste und kulturelle Erzählungen unseren Blick auf die Wirklichkeit?
Der Wolf ist zurück – auch im Museum!
- Publiziert am 6. Oktober 2026
Das Kunsthaus Zofingen greift mit seiner aktuellen Ausstellung die kontroverse gesellschaftliche Debatte über die Rückkehr des Wolfes auf.
Der Wolf in der Gegenwartskunst
Der Wolf – jahrhundertelang aus der Schweiz verschwunden, heute zurück. Die Ausstellung «Der Wolf in der Gegenwartskunst» nähert sich dem Tier spartenübergreifend und rückt es aus dem naturkundlichen Kontext in einen kulturellen und gesellschaftlichen. Die zeitgenössischen Arbeiten zeigen den Wolf als Projektionsfläche für Ängste, Sehnsüchte und Konflikte – als Symbol für Freiheit und Bedrohung, Naturverbundenheit und Kontrollverlust, Romantisierung und Auseinandersetzung. So wird der Wolf zum kulturellen Spiegel: Wie wir ihn sehen und über ihn sprechen, erzählt ebenso viel über unser Verhältnis zur Natur und zur Gemeinschaft wie über das Tier selbst.
Blick in die Ausstellung
Zeitgenössische Künstler:innen aus der Schweiz und Deutschland nähern sich dem Wolf aus ökologischer, politischer, kultureller und emotionaler Perspektive und zeigen ihn zugleich als ästhetisches Motiv, Symbol, Mythos und Projektionsfläche. Chantale Demierre widmet sich in naturalistischen Gemälden und Installationen insbesondere der Beziehung zwischen Mensch und Tier sowie dem Spannungsfeld von Wildnis und Domestikation. Félicia Eisenring und Isabell Bullerschen zeigen mit «Limbo II» einen Wolfshund in einer künstlich geschaffenen Umgebung. Michael Günzburger macht in seinem Tierdruckzyklus die physischen Spuren von Tieren sichtbar, darunter auch jene des Wolfs. Rochus Lussi setzt sich in einer Werkgruppe aus expressiven Holzskulpturen mit dem Wolf sowie mit Macht, Ohnmacht und den Rollen von Täter und Opfer auseinander. Gabriele Lutz zeichnet in ihrem Film «Der Wolf. Streifzug durch die Kunst- und Kulturgeschichte» die wechselvolle Darstellung des Tieres von der Antike bis in die Gegenwart nach. Andrea Nyffeler greift mit einer neuen Werkserie die Figur des Rotkäppchens auf und spielt mit den bekannten Märchenbildern rund um das Verhältnis von Mensch und Wolf. Sophie Schmidt nimmt das Schweizerische Jagdgesetz zum Ausgangspunkt und überträgt es in eine monumentale künstlerische Arbeit.
Beuys und der Kojote «Little John»
Wenn es um den Wolf in der Kunst geht, darf Joseph Beuys nicht fehlen. Seine 1974 in der René Block Gallery in New York realisierte Performance «I Like America and America Likes Me» zählt zu den bekanntesten Werken der Performancekunst des 20. Jahrhunderts. Drei Tage lang verbrachte Beuys, eingewickelt in Filz, gemeinsam mit einem Kojoten in einem Galerieraum – eine ikonische Begegnung zwischen Mensch und Tier, die bis heute vielfältig interpretiert wird. Das Kunsthaus Zofingen zeigt eine Dokumentation der Performance als ergänzende Referenz zur Ausstellung. Da die Vorführrechte beim Centre Pompidou in Paris liegen, ist die Dokumentation über einen QR-Code auf YouTube abrufbar und kann auf dem eigenen Smartphone angesehen werden.
