Das Museum Rietberg zeigt eine Gruppenausstellung, die ein Phänomen in der globalen zeitgenössischen Kunst erstmals umfassend beleuchtet. International gefeierte Künstler:innen in Afrika, den Amerikas, Asien, Australien und Ozeanien sowie in ihren Diasporas setzen sich darin mit kolonialzeitlichem Bildmaterial auseinander. Ihre Werke erkunden, wie Bilder bis heute Identität, Geschichte und Zugehörigkeit prägen – und neu erzählt werden können. Dabei entfalten die Arbeiten eine heilende Kraft, die über historische Kontexte hinausweist und uns alle berührt.
Dekoloniale Perspektiven im Museum Rietberg
- Publiziert am
Poetisch, kritisch und visionär: «Fast ein Paradies» setzt sich mit kolonialzeitlicher Fotografie im Kontext zeitgenössischer Kunst auseinander.
Fast ein Paradies
In vier Ausstellungskapiteln untersucht eine Gruppe von 20 renommierten Künstler:innen der Gegenwart das fotografische Erbe: als Archivar:innen, als Gegenstimmen zum kolonialen Blick, als Schutzinstanzen oder als erzählerische Kräfte, die verborgenen Geschichten Raum geben. Ihre fotografischen, textilen, filmischen und skulpturalen Collagen erweitern die Grenzen des Mediums und verbinden die Frage nach der eigenen Identität mit gemeinsamer Erinnerung. Die Arbeiten verbindet dieselbe hoffnungsvolle Haltung: Erinnerung bleibt beweglich und kann Widerstand leisten. So entsteht ein visionärer Bilderkosmos, der vertraute Narrative aufbricht und bislang ungesehene Perspektiven sichtbar macht. Was, wenn diese visuellen Welten Wirklichkeit würden? Können wir eine Stück Paradies zurückgewinnen, wenn Geschichte vielstimmig erzählt wird? Und welche Macht liegt in den Bildern, die uns täglich begegnen, lange bevor wir sie hinterfragen?
Historische Fotografien
Das Museum Rietberg verfügt über eine umfangreiche Sammlung von Fotografien aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, aufgenommen in Afrika und Asien. Darunter finden sich ethnografische und koloniale Bilddokumente sowie Studiofotografien afrikanischer und asiatischer Fotografen. Als feiner roter Faden ziehen sich diese Bilder durch alle Kapitel der Ausstellung. Mehrere Künstler:innen greifen in ihren neu entwickelten Arbeiten auf diese Aufnahmen zurück und machen bislang verborgene Lesarten sichtbar. In einem gesonderten Ausstellungsbereich veranschaulicht ein eigens produzierter Film, welche Fragen, Perspektiven und Deutungen diese Sammlung hervorbringt. Grundlage dafür war ein Workshop im März 2025, bei dem Kunstschaffende, Wissenschaftlerinnen und Kuratorinnen die fotografischen Bestände des Museums gemeinsam befragten.
(Textgrundlage: Museum Rietberg)
