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Comiczeichner Brecht Evens

Cartoonmuseum Basel | Brecht Evens | Night Animals

Mit kontrastreichen, farbsatten Aquarellen porträtiert der Belgier seine Wahlheimat Paris und das Lebensgefühl von Suchenden, die durch Nächte ziehen.

Ausschweifung und Absturz, Einsamkeit und Leere, Phantasien und die Dämonen im Selbst sind die Themen, denen Evens sich vor dem Hintergrund immerwacher Städte oder imaginierter Welten widmet. Mit fiebrig leuchtenden Panels, frei und assoziativ erzählend, erzeugen seine Bücher einen filmartigen Sog. Hinter einem fröhlich lauten Reigen verbergen sich Melancholie und Entfremdung, verstecken sich die Schattenseiten der individualisierten Gesellschaft.

Der 1986 im flämischen Hasselt geborene Brecht Evens studierte an der Luca School of Arts in Gent und lebt und arbeitet heute in Paris. Der internationale Durchbruch als Comiczeichner gelang ihm 2009 mit der Graphic Novel «Am falschen Ort», mit der er den Willy Vandersteen-Preis des Comicfestivals Stripdagen Haarlem für die beste Graphic Novel in niederländischer Sprache gewann und auch beim Festival International de la Bande Dessinée in Angoulême ausgezeichnet wurde. In «Am falschen Ort» begeistert Evens erstmals mit der eigenwilligen, konturlosen Aquarelltechnik, die seine Arbeit unverkennbar macht. In den auf diesen Erfolg folgenden Büchern «Die Amateure» (2011) und «Panter» (2014) entwickelt er seinen Stil weiter und fasziniert erneut mit fast magisch aufgeladenen, satt glühenden Bildern. 2016 veröffentlichte die Fondation Louis Vuitton in ihrer Travel-Book-Reihe das Buch «Paris», in dem Evens sein Wahlzuhause porträtiert. Beim Comicfestival von Angoulême 2019 wird sein aktuellstes Buch «Les Rigoles» (deutsch «Die Stadt Belgien») über drei Menschen und ihre Wege durch eine rauschhafte, überlange Nacht mit dem Fauve-Sonderpreis der Jury geehrt.

Evens hat in Antwerpen (2012) und Brüssel (2018) je ein grosses Fresko geschaffen. Daneben zeichnet er für renommierte Magazine und Zeitschriften wie etwa «Libération», «The New York Times» und für den Mode-Designer Cotélac.

Night Animals
Der Zeichner Brecht Evens ist einer der grossen Impulsgeber des zeitgenössischen Comics. Das Cartoonmuseum Basel zeigt zum ersten Mal eine umfassende Einzelausstellung des unverkennbaren Künstlers und Autoren. Die teilweise grossformatigen Originale des aufstrebenden belgischen Künstlers werden in der Ausstellung gezeigt, die alle seine Werke umfasst. Im Christoph Merian Verlag erscheint ergänzend eine Sammlung schwarzhumoriger Comic-Strips aus dem alptraumhaften Märchenland «Idulfania».

Die Geschichte seiner Generation
Bereits mit seinem Debüt «Am falschen Ort» wurde der erst 23-jährige Brecht Evens weltweit bekannt. In lebendigen und lebhaften Aquarellfarben und in ebenso sensiblen wie überschäumenden Bildern erzählt Evens die Geschichte seiner Generation, in der nichts wichtiger ist, als die richtigen Freunde zu haben und dazu zu gehören. Im Mittelpunkt steht der attraktive, selbstsichere, hemmungslose und brillante Robbie, ein Führer und Verführer, dessen Charme Frauen wie Männer betört, ohne dessen Anwesenheit jede Party öde wirkt, und der sich erfolgreich dagegen wehrt, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen.

Unverkennbarer Stil
In den folgenden Graphic Novels «Die Amateure» (2011), «Panter» (2014) und «Les Rigoles» (2018) entwickelt Evens seinen Stil weiter. Seine Bücher faszinieren dank den satt glühenden, geradezu magisch aufgeladenen Bildern, in denen alles virtuos ineinandergreift, die Figuren, die Hintergründe und auch die ebenfalls mit Pinsel hingetupften Texte. Das raffinierte Spiel aus Überlagerung und Transparenz lässt das Innenleben der Personen nach aussen treten und macht Gefühle und Atmosphären sichtbar, ja geradezu spürbar nicht zuletzt in «Les Rigoles», das die Wege dreier Menschen durch eine überlange, rauschhafte Nacht nachzeichnet.

Im Rausch der Stadt
Die Stadt spielt in allen Büchern von Brecht Evens eine zentrale Rolle. Sie ist nicht nur die Stätte der Handlung der meisten Geschichten, sondern auch sinnbildlich zu verstehen: Sie wird zur Metapher. Kulissen sind bei Brecht Evens immer auch innere Räume; er projiziert die Befindlichkeit seiner Protagonisten in die Hintergründe und erlaubt uns damit einen Blick in ihr Innenleben.

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