Was, wenn Mönche plötzlich ihre Kutten ablegen, Schüler über neue Ideen diskutieren und ein junger Gelehrter den Glauben seiner Zeit infrage stellt? Peter Leisingers Holzfiguren holen die Reformationszeit ins Kloster Kappel zurück. Sie erzählen von Heinrich Bullinger, vom Aufbruch und vom Ringen um Glaubensfreiheit – eine Auseinandersetzung, die weit über Kappel hinauswirkte und einen Grundstein der modernen Schweiz legte. All das geschah vor 500 Jahren.
Bullingers Rückkehr ins Kloster Kappel
Mit seinen ausdrucksstarken Holzfiguren holt Künstler Peter Leisinger Heinrich Bullinger und die bewegte Zeit der Reformation zurück nach Kappel
Bullingers Rückkehr ins Kloster Kappel
Die Skulpturen von Peter Leisinger lassen die dramatischen Jahre der Reformation in Kappel lebendig werden. Im Zentrum steht der junge Heinrich Bullinger: seine umstrittenen Predigten, und die eskalierenden Konflikte zwischen reformierten und katholischen Orten. Der Erste Kappelerkrieg von 1529 endet noch im Kompromiss, der Zweite 1531 in der Schlacht und mit Zwinglis Tod. Im Januar 1523 nahm der knapp 19-jährige Heinrich Bullinger die von Abt Wolfgang Joner angebotene Stelle als Lehrer im Kloster Kappel an. Mit ihm verbreitete sich rasch humanistischer und reformatorischer Geist unter den Mönchen und in der Region – seit Beginn in deutscher Sprache. Am 29. März 1526 feierten sie zum ersten Mal Abendmahl auf reformierte Weise und legten die Mönchskutten ab. 1527 übergaben sie das Kloster der Stadt Zürich.
Auf den Spuren des Reformators
Was vor 500 Jahren geschah, hat die Neugier von Künstler Peter Leisinger geweckt. Seit dem Spätsommer 2025 sind verschiedene Holzfiguren entstanden. Müde Mönche, aufgeweckte Schüler, der dialogbereite Abt Joner, kritische Ratsherren, Bullinger als Knabe oder Bursche oder Gelehrter: alle haben sie starke Ausdrücke und laden zur Interaktion ein. Man bekommt Lust, mit ihnen zu kommunizieren. Damals war unendlich wichtig, was uns heute ganz selbstverständlich erscheint, nämlich dass jeder Mensch glauben kann, was er will. Dies wurde – nach blutigen Kämpfen – in den 4 Kappeler Landfrieden diskutiert und ausgehandelt. Ein Grundstein für die moderne Schweiz. (Kloster Kappel)
