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BINZ39 | Wiedemann/Mettler

Von Stahlhart bis Wollweich reichen die Materialien der Objekte von Wiedemann/Mettler. Kombinationen die zu Denken geben – Die Ausstellung nennt sich zwar "Schmale Erinnerung", bleibt jedoch in bester Erinnerung!

Zur Saison-Eröffnung im August 2010 richtet das Künstlerduo Wiedemann/Mettler die Ausstellungsräume der BINZ39 mit eigens für diese Ausstellung geschaffenen Arbeiten ein. Pascale Wiedemann war von 1998-1999 Stipendiatin der BINZ39 und sie kommt für diese Schau zurück mit ihrem Lebenspartner Daniel Mettler, mit dem sie seit 2001 zusammenarbeitet. Beide Künstler bringen zu gleichen Teilen ihre Sehgewohnheiten, Methoden, Vorlieben und Begabungen in das gemeinsame Werk ein.

Charakteristisch für Wiedemann/Mettler sind die merkwürdigen Objekte, deren Einzelteile aus einer Vielfalt von alltäglichen und vertrauten Materialien bestehen, die in ihrer Zusammensetzung aber an etwas Ungewisses rühren. Vorgefundene und benutzertaugliche Gegenstände werden durch die Interventionen der Künstler der Unbestimmtheit ausgesetzt. Mal werden rigide Raster wie das Modulsystem der USM-Möbel durch farbenfroh gepolsterte Teile durchsetzt, die aus Hüllen von Damenunterwäsche gefertigt sind. Mal dienen sie als Gerüst für eine Plane, die als schützende Haut ein unbrauchbares Zelt bedeckt. Wollpompons werden als Hunde an der Leine geführt und rosa Spielperlen für Kinder ersetzen Farbe und Pinsel zu einem Sternenbild. Wenn Nacktmodelle für Tiere, die in der Taxidermie verwendet werden, gestrickte Mäntelchen aus signalfarbener Wolle tragen, wird eine erzählerische Logik zwar ausgesetzt, weil das Geschehen aber an ein inneres, emotionales Bild rührt, meint man das Fremde zu kennen.

Die Arbeiten von Wiedemann/Mettler beschäftigen das Auge mit Strukturen und Muster, oft dreidimensional als Skulpturen in den Raum gestellt. Diesen Volumen und Proportionen antworten weiche, sinnliche Oberflächen aus Gestricktem, Genähtem, aus Gummi oder anderen warmen Materialien. Sie reiben an den Domänen des Männlichen und Starren. Indem die Künstler solche Bruchstücke des alltäglichen Lebens umgestalten und verfremden, unterziehen sie diese einem Bedeutungswandel.

Ideenträger dieser Art sind auch die Fotoarbeiten von Wiedemann/Mettler, die auf zweidimensionaler Ebene die Rolle der installativen Objekte übernehmen. Wirkt dort der Eingriff der Künstler aber physisch an den Dingen, bleibt die Wirklichkeit hier unverändert. Es ist lediglich der Blick durch die Linse der Fotografie , der das Bild über die Grenze seines Formats hinausträgt. Dabei wandern Wiedemann/Mettler auf dem Grat der visuellen Erinnerung, die immer ein kulturelles Gedächtnis und damit Identität voraussetzt. Ihr Spiel mit der Metamorphose der Dinge gründet deshalb nicht nur auf einem kreativen Umgang mit den Werkstoffen. Der künstlerische Plan zielt gleicherweise auf die grundlegende Erfahrung ab, dass Ordnung und Systeme herauszufordern und verführbar sind, und dass wir Bildern, die wir in uns tragen, nie endgültig vertrauen können.

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