Basel | «videocity.bs 2017» | Yuri Vassiliev

Der eisige russische Winter prallt auf die beschwingte Basler Sommerzeit, Schneebälle und alte Männer in grauer Winterkleidung treffen auf Badende mit ihren farbenfrohen Schwimmfischen: Die punktuellen Screenings von «videocity.bs» garantieren überraschende Begegnungen der immateriellen Art.

Zeitgleich mit Moskau
«videocity.bs» präsentiert dem Basler Publikum eine Schweizer Premiere: Yuri Vassiliev gehört zu den wichtigsten russischen Videokünstlern, war aber bis jetzt noch nie hier zu sehen. Zeitgleich mit seiner Einzelausstellung «Common Russian Red» im National Centre of Contemporary Art in Moskau (unser Video) wird Vassiliev nun unter dem Titel «Last Next Winter» auf den eBoards des Congress Center Basel sowie in einem Schaufenster von Globus Basel zu sehen sein. Yuri Vassilievs zentrale Themen sind der russische Winter und die Avantgarde-Farbe Rot. Beides behandelt er auf einer symbolischen Ebene.

Basler Sommer prallt auf den russischen Winter
Menschen taumeln desorientiert hin und her, formen Schneebälle oder werden damit beworfen, beziehungsweise rollen unter grosser Kraftanstrengung immer und immer wieder eine riesige Schneekugel. Dem Unbill der Natur sind die Protagonisten in den Videos auf existentielle Weise ausgesetzt, ihr Tun erscheint zweck- und zeitlos. Die Videos haben eigentlich eine Soundspur, werden auf den eBoards in Basel jedoch ohne Ton gezeigt, so dass für einmal die Basler Stadtgeräusche den Sound bilden. Die Präsentation bildet insofern ein spannendes Experiment: Unabhängig und eigentlich für einen Kunstraum entstanden, wird es spannend zu erleben sein, welche Herausforderung die Grösse und der öffentliche Raum an die Videos stellen: Welchen Einfluss hat der quirlige Basler Sommer auf die Wahrnehmung der autonomen Werke des Künstlers?

Das Gesehene körperlich erleben
Yuri Vassiliev hat seine Aufnahmen mit einer Handkamera gemacht, welche dem Tun seiner Darsteller folgt. Der Bildausschnitt schwankt mit jedem Schritt und manchmal scheinen sich die gewohnten Körperrelationen und damit vertrauten Verhältnisse umzukehren. Ein Gesicht beugt sich riesenhaft von oben ins Bild, drei Männer laufen – obwohl vorwärts strebend – rückwärts; anstatt des Protagonisten, der mit Schnee beworfen wird, sieht der Betrachtende die Welt plötzlich in Weiss. Der Künstler versteht es mit einer ausgeklügelten Schnitttechnik meisterhaft, die Szenen in eine allgemein menschliche Erfahrung zu überführen. Seine Kompositionen schlagen eine Brücke zwischen dem Kameraauge und den Augen des Zuschauers und lassen uns damit das Gesehene körperlich erleben.

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