Walter Lietha gehört zu den grossen Unangepassten der Schweizer Musikgeschichte. Ein Sänger, Texter und Musiker, der früh konsequent seinen eigenen Weg ging – stilistisch, sprachlich, inhaltlich. Während Mundartmusik hierzulande noch als folkloristisch oder harmlos galt, setzte Lietha auf Reibung, Haltung und poetische Schärfe. Dass er dafür lange ignoriert wurde, sagt weniger über ihn als über das System, in dem er wirkte. Der Film von Stefan Haupt verschafft Lietha Sichtbarkeit.
WALTER LIETHA – DRUM SING I, GRAD DRUM
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Regisseur Stefan Haupt verschafft einem unbequemen Pionier der Schweizer Mundartmusik ein filmisches Denkmal.
Eine Rezension erfolgt auf den Filmstart
Früh da, zu früh vielleicht
Walter Lietha arbeitete mit Mundart, als diese im Pop- und Rockbereich noch wenig verbreitet war. Seine Lieder verbanden persönliche Beobachtungen mit gesellschaftlichen Themen und unterschieden sich deutlich von gängigen Formen der damaligen Schweizer Unterhaltungsmusik. Damit blieb er ausserhalb des kommerziellen Mainstreams und erreichte vor allem ein kleines, interessiertes Publikum.
Wirkung und spätere Rezeption
Obwohl Walter Lietha lange kaum präsent war, wird sein Werk heute im Zusammenhang mit der Entwicklung der Schweizer Mundartmusik neu betrachtet. Sein Umgang mit Sprache und Form gilt als ein früher Beitrag zu einer offeneren, vielfältigeren Nutzung von Mundart in der Musik. Musiker:innen wie Stephan Eicher, Corin Curschellas oder Sophie Hunger nennen ihn rückblickend als Referenz, was zu einer erneuten Auseinandersetzung mit seinem Schaffen geführt hat.