Walter Lietha gehört zu den grossen Unangepassten der Schweizer Musikgeschichte: ein Sänger, Texter und Musiker, der früh konsequent seinen eigenen Weg ging – stilistisch, sprachlich und inhaltlich. Während die Mundartmusik hierzulande noch als folkloristisch oder harmlos galt, setzte Lietha auf Reibung, Haltung und poetische Schärfe. Dass er dafür lange ignoriert wurde, sagt weniger über ihn aus als über das System, in dem er wirkte. Der Film von Stefan Haupt verschafft Lietha sichtbare Präsenz.
WALTER LIETHA – DRUM SING I, GRAD DRUM
Regisseur Stefan Haupt verschafft einem unbequemen Pionier der Schweizer Mundartmusik ein filmisches Denkmal.
WALTER LIETHA – DRUM SING I, GRAD DRUM | SYNOPSIS
Der Bündner Sänger Walter Lietha zählte in den 1970er Jahren zu den grossen Namen der Schweizer Musikszene und wurde mit seinen poetischen, teils zeitkritischen Liedern zur Stimme einer Generation. Doch anfangs der 80er Jahre verstummte diese Stimme in der Öffentlichkeit weitgehend. Im August 2025 wurde der 75jährige Bündner Barde am Musikfestival «Alpentöne» mit einem Konzert geehrt, bei dem unter anderem auch Corin Curschellas, Sophie Hunger, Stephan Eicher, Michael von der Heide und die Narrenschiffband auftraten. Was ist aus Walter Lietha, seinen Utopien, seinen Liedern geworden?
Für uns gesehen hat den Film Felix Schenker
Früh da, zu früh vielleicht
Walter Lietha arbeitete mit Mundart zu einer Zeit, als diese im Pop- und Rockbereich noch wenig verbreitet war. Seine Lieder verbanden persönliche Beobachtungen mit gesellschaftlichen Themen und unterschieden sich deutlich von den gängigen Formen der damaligen Schweizer Unterhaltungsmusik. Damit blieb er ausserhalb des kommerziellen Mainstreams und erreichte vor allem ein kleines, interessiertes Publikum.
Wirkung und spätere Rezeption
Obwohl Walter Lietha lange kaum präsent war, wird sein Werk heute im Zusammenhang mit der Entwicklung der Schweizer Mundartmusik neu bewertet. Sein Umgang mit Sprache und Form gilt als früher Beitrag zu einer offeneren, vielfältigeren Nutzung von Mundart in der Musik. Musiker:innen wie Stephan Eicher, Corin Curschellas oder Sophie Hunger nennen ihn rückblickend als Referenz – was zu einer erneuten Auseinandersetzung mit seinem Schaffen geführt hat.
