Hasan Hadis Spielfilmdebüt gewann am Filmfestival von Cannes den Publikumspreis der Quinzaine des cinéastes sowie die Caméra d’Or. Es ist eine Abenteuergeschichte, die die Schilderung der bedrückenden Autokratie immer wieder mit Momenten der Leichtigkeit durchbricht. Mit seinem Erstlingswerk verarbeitet Hadi seine eigene Kindheit in den betörend schönen Marschlandschaften des Südirak und erzählt sie mit einem reinen Laienensemble, in dem die junge Baneen Ahmed Nayyef (Lamia) alle überragt.
THE PRESIDENT'S CAKE
- Publiziert am 1. Januar 2026
THE PRESIDENT’S CAKE | SYNOPSIS
Irak in den 1990er Jahren: Jedes Jahr wird in den Schulen ausgelost, wer einen Geburtstagskuchen zu Ehren des Präsidenten Saddam Hussein backen soll. Diesmal fällt die Aufgabe der neunjährigen Lamia zu. Sie lebt mit ihrer Grossmutter in den mesopotamischen Sümpfen und Geld haben sie kaum. Unterwegs in der nächstgelegenen Stadt, bekommt sie von ihrem Freund Saeed Hilfe, um die nötigen Backzutaten zu besorgen. Doch die beiden müssen ebenso erfinderisch wie entschlossen sein. Wegen der Wirtschaftssanktionen herrscht Lebensmittelknappheit und die Armut bringt nicht gerade die besten Seiten der Menschen ans Licht.
DER IRAK UNTER SADDAM HUSSEIN – EINE CHRONOLOGIE DER GEWALT
Saddam Hussein trat 1957 im Alter von 20 Jahren der illegalen Baath-Partei bei. Nach dem Sturz der irakischen Monarchie durch einen Militärputsch im Jahr 1958 und der Ausrufung der Republik unter General Abd al-Karim Qasim beteiligte er sich an politischen Machtkämpfen. Ein gescheitertes Attentat auf Qasim zwang ihn 1959 ins Exil. Nach dem Baath-Putsch von 1963 kehrte Saddam Hussein in den Irak zurück und stieg in den folgenden Jahren innerhalb der Partei stetig auf. Mit der endgültigen Machtübernahme der Baath-Partei 1968 unter Präsident Ahmed Hassan al-Bakr wurde er Vizepräsident und faktisch zum starken Mann im Hintergrund.
1979 übernahm Saddam Hussein selbst das Amt des Staatspräsidenten und Regierungschefs. Unmittelbar danach sicherte er seine Macht durch brutale Säuberungen in der Parteiführung. 1980 begann er den Krieg gegen den Iran, den er als raschen Sieg kalkuliert hatte. Der Erste Golfkrieg endete 1988 mit einem Waffenstillstand, nachdem auf beiden Seiten Hunderttausende Menschen ums Leben gekommen waren.
1990 liess Saddam Hussein Kuwait besetzen, was den Zweiten Golfkrieg auslöste. Die internationale Gemeinschaft reagierte mit massiven UN-Sanktionen. 1991 griff eine von den USA geführte Koalition im Rahmen der Operation „Desert Storm“ militärisch ein. Obwohl der Irak militärisch besiegt wurde, blieb Saddam Hussein an der Macht. In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu US- und britischen Luftangriffen, insbesondere nach Übergriffen auf kurdische Schutzzonen und trotz diplomatischer Annäherungen an Iran und Syrien. Gleichzeitig verschärfte das Regime im Innern die Repressionen drastisch.
Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 verschärften die USA unter Präsident George W. Bush ihre Haltung gegenüber dem Irak, der als Teil der „Achse des Bösen“ bezeichnet wurde. 2003 begann nach umstrittenen Geheimdienstvorwürfen der Dritte Golfkrieg mit einem Angriff der USA und Grossbritanniens. Bagdad fiel, wenig später auch Tikrit, womit das Regime zusammenbrach.
Am 13. Dezember 2003 wurde Saddam Hussein von US-Truppen festgenommen. Nach einem Prozess wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen wurde er 2006 in einem Vorort von Bagdad hingerichtet.

Wie schmeckt Loyalität?
Was banal klingt, ist hoch brisant: Ein zu Ehren des Präsidenten gebackener Kuchen wird zur Pflichtaufgabe. Hasan Hadis PRESIDENT’S CAKE macht aus diesem scheinbar harmlosen Anlass ein dichtes Kammerspiel, in dem jede Geste, jeder Blick unter Verdacht steht. Der Kuchen fungiert als Metapher für Loyalität – oder für deren gefährliche Abwesenheit. Der Film entfaltet seine Wirkung leise, ohne grosse Reden oder plakative Anklagen. Stattdessen zeigt er, wie politische Systeme sich im Alltag materialisieren: in Küchen, Fluren, Nachbarschaften. Hasan Hadi vertraut auf präzises Timing und auf die Spannung zwischen Gesagtem und Verschwiegenem, woraus ein beklemmendes Gefühl permanenter Beobachtung entsteht. Formal bleibt der Film zurückhaltend, fast spröde – und genau darin liegt seine Stärke. Kamera und Montage drängen sich nicht auf, sondern lassen Raum für ein Unbehagen, das sich langsam festsetzt. Getragen von nuancierten schauspielerischen Leistungen entsteht das Porträt von Menschen, die gelernt haben, sich zu arrangieren – und dabei Stück für Stück sich selbst verlieren. PRESIDENT’S CAKE ist ein stiller, aber nachhaltiger Film über Machtmechanismen im Kleinen, präzise und klug erzählt, und gerade deshalb lange nachhallend.

Eine ausführliche Besprechung folgt auf den Filmstart