Marco Bellocchio, einer der vielseitigsten italienischen Regisseure, hat das europäische Kino entscheidend mitgeprägt. Sein mehrfach ausgezeichneter neuer Spielfilm «Il Traditore» beruht auf der wahren Geschichte der schillernden Persönlichkeit des Tommaso Buscetta.
Spielfilm | Il traditore
Zum Film
In den frühen 1980ern erreichen die Machtkämpfe der Paten der sizilianischen Mafia ihren Höhepunkt. Tommaso Buscetta, angesehenes Mitglied der Cosa Nostra, hat sich nach Brasilien abgesetzt. Derweilen wüten in seiner Heimat die Fehden zwischen den Clans, Buscettas Vertraute werden einer nach dem anderen umgebracht. Als er verhaftet und nach Italien ausgeliefert wird, trifft Buscetta eine Entscheidung, die die Mafia erdbebengleich erschüttert: Vor dem Richter Falcone bricht er sein der Cosa Nostra gegenüber geleistetes Schweigegelübde…
arttv-Stimme: Madeleine Hirsiger
Der 81-jährige Marco Bellocchio ist einer der bedeutendsten Regisseure Italiens. Mit «Il traditore» – «Der Verräter» zeigt er einmal mehr seine Fähigkeit über politische Themen eindringliche Filme zu machen. Schon mit seinem ersten Spielfilm «I pugni in tasca» («Mit der Faust in der Tasche») 1965 hat er auf Anhieb grosse Aufmerksamkeit erregt und wurde mehrfach ausgezeichnet. Die Uraufführung fand am Filmfestival in Locarno statt. Das bürgerliche Familiendrama thematisiert die politischen Veränderung des Landes, die damals niemand zu Kenntnis nehmen wollte: die Auflösung alter Strukturen, geprägt von aufkommender Gewalt und Bedrohung. Bellocchios rigorose Regie und die Abkehr vom Neorealismus waren revolutionär. Antikonform, mutig und entschieden sind seine Filme immer noch, so auch das Mafia-Drama «Il traditore», das in den 80er Jahren spielt. Es erzählt die wahre Geschichte zweier verfeindeten Mafia-Familien und dringt bis ins Innere des Systems ein. Im Zentrum steht der Verräter Tommaso Buscetta (Pierfrancesco Favino), der nach seiner Festnahme schliesslich bereit ist, beim grossen Prozess über die inneren Strukturen der Mafia zu reden und Namen zu nennen. Der Film ist nicht nur ein Lehrstück, wie man diesen einflussreichen Teil der italienischen Gesellschaft eindringlich auf die Leinwand bannen kann – es zeigt auch die absolute Sinnlosigkeit, wegen Macht und Geld sich gegenseitig abzuknallen. Und das bis zum heutigen Tag und ohne Ende. Der Zwang der Rache hält den Kreislauf des Mordens am Laufen.
Weitere Stimmen
«Die Mehrdeutigkeit macht Buscetta zu einer fesselnden Figur, in ihrer Unergründlichkeit von Favino perfekt gespielt, der sowohl den Stolz als auch die Verletzlichkeit hinter der Fassade einfängt.» – Variety | «Virtuos und lyrisch zeichnet der Film das erstaunliche Röntgenbild eines bis auf höchste Staatsebene maroden Landes.» – Radio France Internationale | «Grossartiges, mutiges, selbstbewusstes Kino.» – The Guardian