Die diesjährigen Nominationen zum Schweizer Filmpreis zeichnen ein bemerkenswert stimmiges Bild des aktuellen Schweizer Filmschaffens. Zwischen publikumsnahen Erfolgen, formaler Eigenständigkeit und politischer Dringlichkeit versammelt sich eine Auswahl, die überzeugt und überrascht. Aber welche der Nominationen haben uns besonders gefreut?
Selten so «d’accord»
- Publiziert am 28. Januar 2026
Mit der Auswahl der Nominationen des Schweizer Filmpreises waren wir schon langen nicht mehr so einverstanden wie in diesem Jahr.
Bester Spielfilm
Nominiert sind À BRAS-LE-CORPS von Marie-Elsa Sgualdo, BAGGER DRAMA von Piet Baumgartner, HELDIN von Petra Volpe, LA CACHE von Lionel Baier sowie SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK? von Nicolas Steiner.
Dass HELDIN nominiert wurde, war kaum eine Überraschung. Petra Volpes Film hat ein breites Publikum erreicht, Debatten ausgelöst und gezeigt, dass gesellschaftlich engagiertes Kino nicht auf Kosten von Zugänglichkeit gehen muss. Die Nomination ist folgerichtig und spiegelt die Wirkung wider, die der Film über den Kinosaal hinaus entfaltet hat.
Besonders gefreut hat uns jedoch die Nomination von BAGGER DRAMA. Piet Baumgartners Film ist ein leises, präzises Stück Kino, das mit trockenem Humor und formaler Konsequenz soziale Spannungen sichtbar macht. Ein Film, der nicht laut sein muss, um nachzuwirken – und der insgesamt noch deutlich mehr Beachtung verdient gehabt hätte.
Wenig nachvollziehbar bleibt für uns hingegen die Wahl von LA CACHE. Ein eher ärgerlicher Plapperfilm, der viel redet, aber wenig hängen bleibt und innerhalb dieser ansonsten starken Auswahl deutlich abfällt.
Bester Dokumentarfilm
Nominiert sind BLAME von Christian Frei, DOM (HOME IN RUSSIAN) von Svetlana Rodina & Laurent Stoop, I LOVE YOU, I LEAVE YOU von Moris Freiburghaus, LE CHANTIER von Jean-Stéphane Bron sowie QUI VIT ENCORE von Nicolas Wadimoff.
In dieser Kategorie würden wir es besonders QUI VIT ENCORE gönnen. Ein Sieg dieses Films wäre mehr als die Anerkennung einer starken dokumentarischen Arbeit. Er wäre auch eine späte Wiedergutmachung für die wenig erfreuliche Haltung, welche die offizielle Schweiz gegenüber palästinensischen Flüchtlingen gezeigt hat. Wadimoffs Film hört zu, schaut hin und gibt jenen Menschen Raum und Würde, die im politischen Diskurs allzu oft übergangen werden.
Eine Bestätigung unserer Arbeit
Diese Nominationen bestärken uns einmal mehr darin, die richtigen Filme zu vermitteln. Zu sämtlichen nominierten Spiel- und Dokumentarfilmen finden sich auf arttv.ch/film bereits Artikel, Rezensionen und Interviews. Eine schöne Bestätigung dafür, dass unser Fokus auf filmische Qualität, inhaltliche Relevanz und gesellschaftliche Dringlichkeit den Puls des Schweizer Films sehr genau trifft.