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Schwarzarbeit

«Schwarzarbeit» gehört zu jenen fast perfekten Wunderwerken des Dokumentarischen.» – Michael Sennhauser

Nach seinen von der Presse und Publikum gefeierten Vorgängerwerken «Messies» und «Hippie Masala» darf sich das Kinopublikum auf einen spannenden, wildwestähnlichen Roadmovie zu einem politischen Brennpunkt freuen, der vermutlich die Beziehungen zur EU zum Stillstand gebracht hat. Vielleicht liegt es am Namen, aber Regisseur Ulrich Grossenbacher ist tatsächlich ein Grossmeister, wenn es darum geht, in einem Dokumentarfilm in menschliche Mikrokosmos vorzudringen.

Schwarzarbeit | Synopsis

Betrüger und Betrogene, Lohndumping und Schwarzarbeit – hautnah unterwegs mit den Arbeitsmarktinspekor/Innen Frédy, Regula, Marcos, Stefan und Chrümu verzweifeln wir mit ihnen an der oft fast unlösbaren Aufgabe gesetzliche Mindeststandards in der Schweizer Arbeitswelt durchzusetzen. Die Europäische Union verlangt ultimativ weniger wirksame Lohnschutzmassnamen in der Schweiz. Die Gewerkschaften wollen hart bleiben! Ein politisches Roadmovie, das eine komplexe Materie spannend wie einen Thriller vermittelt.

Rezension

von Felix Schenker

Das schafft vermutlich nur Ulrich Grossenbacher: eine Aufsichtsbehörde davon zu überzeugen, dass er deren Beamte mit der Kamera begleiten darf und dies in einer sehr delikaten Angelegenheit. Die Männer und Frauen, an deren Versen sich der Regisseur haftet, spüren Schwarzarbeiter auf. Es ist höchst spannend, mitzuerleben, wie die im Film porträtierten Beamten ihre Arbeit angehen, wie sie ihre Handlungen reflektieren und in welche Sachzwänge sie sich begeben. Auch wenn sie sich in den Dienst des Rechtsstaates stellen, um Lohndumping zu vermeiden und Gerechtigkeit einzufordern, sind sie sich bewusst, was für ein Konfliktpotenzial mit ihrer Arbeit einhergeht. Denn da sind auch die Schwarzarbeiter, die keine andere Chance haben, als das Gesetz zu brechen.

Der Menschenfreund

Das Aufeinanderprallen von Beamten und Schwarzarbeitern ist berührend, macht aber auch ratlos. Von dieser Spannung lebt der Film und macht ihn zu einem Lehrstück darüber, dass es eben nicht nur eine Wahrheit geben kann. Die eine Szene, in der ein junger Arbeiter um Gnade fleht, dürfte allen, die den Film gesehen haben, unvergesslich bleiben. Der Beamte fühlt – ebenso wie wohl der Grossteil des Publikums – mit und unterbreitet seiner jungen Kollegin den Vorschlag, den Gesetzesbrecher einfach laufenzulassen. Seine Kollegin ist erstaunt und will wissen, ob er das denn darf? «Man hat immer eine Wahl», antwortet er lakonisch. Erst als er merkt, wie ihn der junge Mann permanent anlügt, ändert er seine Meinung. Die Polizei führt den Gesetzesbrecher ab. Spätestens hier fragt man sich aber, ob da Grossenbacher nicht auch menschliche Schicksale ausnutzt. Das ist im Film mehrmals der Fall. Die Kamera fängt beispielsweise ein, wie ein Trupp von Polizisten einen wimmernden, zitternden tamilischen Mann aus einer Kammer rausholen, in die er sich geflüchtet hat. Doch auch bei dieser Szene gelingt Grossenbacher das Grossartige, man erkennt in ihm den Menschenfreund, der vermitteln will, ohne dogmatische Barrieren im Kopf. Erneut zeigt sich die schier unglaubliche Fähigkeit des Berner Regisseurs, Menschen für sich zu gewinnen und scheinbar Gegensätzliches zu verbinden. Frei von Voyeurismus ist der Film trotzdem nicht, aber er geschieht in bester Absicht. Das zählt!

Fazit: Relevantes Kino, berührend und von grosser menschlicher Tragweite.

Schwarzarbeit | Weitere Stimmen

«Selten hat mir ein Dokumentarfilm so schnell und direkt ‹den Ärmel reingenommen› wie Grossenbachers Schwarzarbeit. (…) Schwarzarbeit gehört zu jenen fast perfekten Wunderwerken des Dokumentarischen.» – Michael Sennhauser, Radio SRF 2 | «So präzise und so lakonisch hat schon länger kein Film mehr das soziale Selbstverständnis der Schweiz auf die Probe gestellt.» – Florian Keller, WOZ | «Was ‹Schwarzarbeit› zum Ereignis macht, ist, dass Ulrich Grossenbacher immer den Menschen ins Zentrum setzt.» – Martin Burkhalter, Der Bund | « … eine erhellende und scharfsinnige Betrachtung eines lokalen Mikrokosmos, der immer auf ein grosses Ganzes verweist, die so tiefgreifende Themen wie soziale Gerechtigkeit, Ungleichheit, Solidarität, Gemeinwohl, Freiheit und die Würde des Einzelnen auslotet.» – Till Brockmann | «Es ist ein Film, der sich nicht scheut, dort hinzuschauen, wo es wehtut.» – Geri Krebs

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