Auch dieses Jahr wartet ein Programm mit hochkarätigem Inhalt: Präsentiert werden 13 abendfüllende Filme und 20 Kurzfilme. Darunter finden sich fiktionale, dokumentarische und pornografische Werke. Trotz dieser Diversität wird ein Grossteil der Filme vom thematischen Schwerpunkt «Utopien» vereint. Das Festival bietet neben Filmen auch Diskussionsrunden, eine Kunstausstellung und einen Sonntagsbrunch.
Luststreifen 2019 | Utopien
Während am Zürcher ZFF grosses Kino inszeniert wird, setzt sich das Basler Festival «Luststreifen» auf eigene Weise mit dem Medium Film auseinander.
Jenseits der Norm
Auf unterschiedliche Weise formulieren viele der gezeigten Streifen Antworten auf die Frage, wie wohl eine Welt jenseits von Normen aussehen würde. Was gilt es hinter sich zu lassen, neu zu formulieren, aufzuwirbeln und revolutionär neu zu schaffen? Denn die eine Norm gibt es nicht: Es fängt da an, wo die weisse Mehrheitsgesellschaft in ihrem hetero-cis Dasein meint, über andere nicht gleich privilegierte Menschen bestimmen zu dürfen wie diese zu lieben, leben und sich zu verhalten haben. Diese Übergriffigkeit geschieht mit der Verweigerung von Grundrechten wie gleicher Lohn, Recht auf Körper, Familie, Lust und nicht zuletzt Recht auf die eigen gewählte Existenz. Viele dieser Normen betreffen unsere persönliche Lebensrealität vielleicht nicht und sind daher unvorstellbar. Dennoch ist es eine Realität, dass Menschen aus Angst vor Gewalt, Ausgrenzung oder Mobbing versteckt leben. Sie müssen tagtäglich erfahren, dass ihr Leben darin besteht, ständig ausgeschlossen und nicht mitgedacht zu werden. Wie die Antwort auf eine Welt jenseits von Normen konkret aussieht, lassen die Festivalmacher*innen die Protagonist*innen und Filmschaffenden selber beantworten.
Lust-Spektrum
Über 2400 Filme wurden in diesem Jahr eingereicht, das Luststreifen-Team hat 13 Langfilme und 20 Kurzfilme ausgewählt. Gezeigt werden Produktionen aus Brasilien, Argentinien, Deutschland, Israel und Spanien. Porträtiert werden verschiedenste Menschen und ihre Lebenssituationen rund um die Verhandlung von Diversität, Gleichberechtigung und Genderfragen. So wird beispielsweise mit der macho-sexistischen Musikszene in der queerfeministischen Punkszene von Buenos Aires aufgeräumt. In einem anderen Film lebt ein Homosexueller inmitten des erzkatholischen Spaniens im Einklang damit, dass er genau dieser stereotype Schwule geworden ist, vor dem seine Grossmutter Angst hatte, er könnte es werden. Die Festivalbesucher*innen begegnen Aktivist*innen, stummen Pornodarstellern und drei amerikanischen Transgenderteenagern, die Fragen zu Fairness, Zweigeschlechtlichkeit und Gleichstellung im Sport aufwerfen. Frauen unterschiedlicher Schichten verhandeln die Frage nach dem weiblichen Körper und wir folgen einem transsexuellen Liebespaar auf ihrem Weg zum eigenen Kind.
Vielversprechender Eröffnungsabend und ein Skandalfilmblock
Eröffnet wird die diesjährige Luststreifen Ausgabe mit dem Film: «The Artist and The Pervert» von Beatrice Behn und René Gebhardt. Ohne Erzählstimme und Kommentare kommen im Dokumentarfilm die Protagonist*innen zu Wort, welche ein Jahr lang begleitet wurden. Sie ist seine Muse, er ihr Meister: Es wird ihre Geschichte von der Suche nach sich selber und einander erzählt. Neben drei Kurfilmblöcken zeigt das Festival dieses Jahr einen Skandalfilmblock und dank einer Kooperation mit dem Royal Scandal Cinema bekommen die Besucher*innen den Film «Inxeba» zu sehen. Das Royal Scandal Cinema ist ein Projekt, das Filme zeigt, die aus diversen Gründen skandalisiert oder verboten wurden. «Inxeba» thematisiert die Spaltung der Gesellschaft zwischen revolutionärem Applaudieren und konservativen Massendemos in der Provinz Ostkap in Südafrika, wo der Film auch seine Premiere feierte. Die Geschichtsprofessorin und Südafrika Expertin Gesine Krüger von der Universität Zürich wird am Basler Festival eine Einführung zum Film geben.