Bereits zum vierten Mal findet das Human Rights Film Festival Zurich statt, bekannt für Filme, die einen neugierigen und unbequemen Blick auf Menschen werfen, die mit festgefahrenen Zuschreibungen ringen und zeigen, dass Identitäten verästelt und kompliziert sind. «Es mutet naiv an zu denken, dass Filme und Diskussionen die Welt verändern», erklärt Festivaldirektorin Sascha Lara Bleuler, «doch ermöglichen sie ein Eintauchen in andere Wirklichkeiten und schärfen unseren Blickwinkel.»
Human Rights Film Festival Zurich 2018 | Filme, die aufrütteln
Wege aus der Ohnmacht
Das Human Rights Festival Zurich lädt ein, in unbekannte Welten abzutauchen, denn die Oberfläche ist von den entsprechenden Filmemacher*innen durchleuchtet, angekratzt, weggeschoben oder gänzlich durchbrochen worden. «Was dann zum Vorschein kommt, ist oft schmerzlich mitanzusehen», bekennt die Bleuler. Die besondere Leistung der diesjährigen Filmauswahl sei jedoch, «dass sie uns nie im dunklen Abgrund zurücklässt, sondern immer auch aufzeigt, wo das Licht durchsickert, indem es Wege zeigt, wie die Ohnmacht überwunden und die Verletzungen heilen können.»
Vergessen und Erinnern
Im Eröffnungsfilm «Los Versos Del Olvido» bebildert der iranische Regisseur Alireza Khatami die Sehnsucht nach den Verschwundenen und spiegelt das Erbe des Erinnerns von Chile indirekt mit dem seiner Heimat Iran. «Naila And The Uprising» verwebt geschickt Archivaufnahmen, Animationen und Interviews zu einer Chronik des weiblichen Widerstands von Palästinenserinnen (siehe Trailer) und erschliesst eine Welt, die bisher wenig mediale Beachtung erfuhr. «The Silence of the Others» schafft durch intelligente Montage und Zeugeninterviews mit Opfern des Franco-Regimes ein Abbild eines immer noch zwischen Vergessen und Aufarbeitung gespaltenen Spaniens. «The Island Of The Hungry Ghosts» porträtiert die Arbeit einer Therapeutin, die traumatisierte Flüchtlinge ermutigt, ihre unsäglichen Erfahrungen zu beschreiben. In «On Her Shoulders» gibt die Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad dem Völkermord an den Jesiden eine Stimme und der kroatische Film «Srebenka» verhandelt die Frage, ob Kunst den Kreislauf der Rache durchbrechen kann.
70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte
Neben den Panels im Kinosaal finden neu «Big Debates» im Forum des Kosmos statt, welche dringliche Themen wie Klimawandel, Rassismus und den Nahostkonflikt behandeln. Am Tag der Menschenrechte (10. Dezember) stellt das Festival im Rahmen von Kosmopolitics die provokative Frage «Are we living in a post-human rights era?» – Wie neben der 7. Kunst des Kinos auch weitere Kunstformen Menschenrechte eindrücklich umsetzten, zeigt die Fotoausstellung des Fotografen Eddie Adams mit Portraits von bekannten Menschenrechtsverteidigern, sowie die Virtual Reality Nische von Ärzte ohne Grenzen, welche einen 360-Grad Einblick in den Alltag von Menschen auf der Flucht ermöglicht.