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Gedenken an Peter Liechti

Peter Liechti, Regisseur, Autor und Kameramann ist am 4. April 2014 nach schwerer Krankheit gestorben. Mit ihm verliert der Schweizer Film einen der innovativsten Filmemacher überhaupt. Hier unser letztes Gespräch mit Peter Leichti.

Ein künstlerisch eigenständiges Werk
Peter Liechti hinterlässt mit seinen Dokumentarfilmen und Essays ein umfangreiches, künstlerisch eigenständiges Werk, das weltweit an Filmfestivals gezeigt und in Retrospektiven u.a. in New York, Rotterdam, Buenos Aires, Wien, Leipzig und Berlin gewürdigt wurde. Für «The Sound Of Insects – Record Of A Mummy» gewann er 2009 den Europäischen Filmpreis. Im Inland wurde Peter Liechti 2010 mit dem Kunstpreis der Stadt Zürich und dem Grossen St. Galler Kulturpreis ausgezeichnet. Sein letzter Film, «Vaters Garten – Die Liebe meiner Eltern», 2013 im Wettbewerb des Forums an der Berlinale gezeigt, wurde im März 2014 als bester Dokumentarfilm und für den besten Schnitt mit dem Schweizer Filmpreis geehrt.

Peter Liechti – wegweisend für junge Filmschaffende
Peter Liechti, 1951 in St. Gallen geboren, studierte zunächst Malerei und arbeitete als Zeichnungslehrer, bevor er sich dem Film widmete. Die Beschäftigung mit Musik und Texten haben sein filmisches Schaffen immer begleitet und angereichert. Seine Aphorismen sind in «Lauftext – ab 1985» erschienen, und in «Klartext» publizierte er die Gespräche und Gedanken, die ihn zum Film «Vaters Garten – die Liebe meiner Eltern» motivierten (Vexer Verlag). Als Dramaturg und Produzent hat er sich stets auch für die nachfolgenden Generationen engagiert. Zahlreiche junge Filmschaffende haben durch seinen Scharfsinn und seine Kritik zu ihrer eigenen Ausdrucksweise gefunden. Als Kameramann hinterliess Liechti in den Werken befreundeter Regisseure seine visuellen Spuren.

Zum Film «Vaters Garten. Die Liebe meiner Eltern»
Während eines Jahres hat Liechti seine Eltern in ihrem rechtschaffenen Kleinbürgerleben mit der Kamera begleitet. Er hat sich viel Zeit genommen und seinen Eltern seit vielen Jahren wieder einmal richtig zugehört. Und trotz seiner heiklen Doppelrolle als Sohn und Filmemacher im Elternhaus ist er auch den schwierigen Fragen nicht ausgewichen. Die langen Gespräche und Aussagen der Eltern hat Liechti aufgeschrieben und in einem monatelangen Arbeitsprozess zu klaren, starken Sätzen verdichtet. Diese inszeniert er zwischendurch als Kasperletheater, in einem Puppentheater, einem Kunstraum, der seine Kindheit repräsentiert und gleichzeitig die Enge kleinbürgerlicher Verhältnisse.
«Um Himmels Willen – das sind Fragen!», sagt die Mutter, als der Sohn das Gespräch eröffnet; über Jahrzehnte war man sich ausgewichen. Der Film ist das Protokoll einer späten Wiederbegegnung des Regisseurs mit seinen alten Eltern – und der Versuch einer persönlichen Geschichtsrevision. Dabei entstand ein neues Bild der Eltern, das auch immer wieder Einblick gewährt in eine Ära, deren Ende längst eingeläutet wurde. Die Geschichte ihrer Ehe berührt hingegen als zeitloses Drama; noch heute wird uns wind und weh dabei.

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