EXTRAWURST als Culture-Clash-Komödie zeigt satirisch und absolut genial, wie eine harmlose Diskussion über einen Grill im Tennisclub aufgrund tiefgründiger Ängste eskaliert. Kaum zuvor hat ein Film so viel Grund zum Lachen und gleichzeitig ernsthafte Denkanstösse zu Rassismus, Integration und Klischees geboten. Die starke Besetzung mit bekannten Namen wie Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst und Fahri Yardım gibt es erst noch obendrauf.
EXTRAWURST – Komödie über Ausgrenzung, Freundschaft und gesellschaftliche Normen
EXTRAWURST | SYNOPSIS
In einem Tennisclub irgendwo in der deutschen Provinz wird das Sommerfest geplant, und unter Heriberts strenger Leitung stehen die Vorbereitungen im Mittelpunkt. Als vorgeschlagen wird, für Erol, das einzige muslimische Clubmitglied, einen separaten Grill zu organisieren, brechen unerwartete Spannungen auf. Was als scheinbar harmlose Diskussion beginnt, weitet sich schnell zu einer Debatte über gesellschaftliche und persönliche Konflikte aus. Während die Gemüter immer höher kochen, steht der Verein schliesslich kurz vor dem Zerfall.
EXTRAWURST | REZENSION
Für uns gesehen hat den Film Inge Zinsli
Lachen, das weh tut
Man lacht viel in EXTRAWURST. Und man lacht gern. Doch dieses Lachen bleibt nicht an der Oberfläche. Es arbeitet nach. Denn hinter der pointierten Komik verbirgt sich ein erstaunlich kluger Film über menschliche Schwächen, über Prinzipienreiterei – und über die Frage, was passiert, wenn gut gemeinte Korrektheit in Verbissenheit kippt.
Humor als gesellschaftlicher Stresstest
Ausgangspunkt ist eine scheinbar harmlose Entscheidung, die sich rasch zu einem gesellschaftlichen Minenfeld auswächst. Mit leichter Hand, präzisem Timing und grosser Lust an der Zuspitzung zeigt EXTRAWURST, wie schnell Überzeugungen, Ängste und Eitelkeiten aufeinanderprallen. Der Humor ist dabei nie billig, sondern entlarvend: Er hält uns den Spiegel vor – und zwingt zur Selbstreflexion, ohne belehrend zu sein.
Unweigerlich beginnt man sich selbst zu fragen: Wie würde ich reagieren? Wo würde ich Stellung beziehen? Und wo vielleicht lieber schweigen? Gerade darin liegt die Stärke des Films. Er nimmt sein Publikum ernst und traut ihm zu, Ambivalenzen auszuhalten.
Getragen wird das Ganze von einem hervorragend aufspielenden Ensemble, das den Figuren Wärme, Widersprüchlichkeit und Menschlichkeit verleiht. Niemand ist nur Karikatur, niemand bloss Zielscheibe. Das macht EXTRAWURST so angenehm – und so treffend.
Man verlässt den Kinosaal gut gelaunt, mit einem Lachen im Gesicht. Und doch bleibt etwas hängen. Ein Gedanke. Ein Zweifel. Ein Nachhall. Der Schlusssatz von Erol – den wir hier selbstverständlich nicht verraten – sitzt jedenfalls perfekt. Wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.
Ein rundum gelungener Film: unterhaltend, klug, überraschend tiefgründig. Und genau deshalb so sehenswert.
GRÜNDE, SICH DEN FILM ANZUSEHEN
Saugute Vorlage: Das gleichnamige Bühnenstück auf dem der Film berührt, ist etwas vom besten, das man bisher gesehen hat (siehe Bericht zur Aufführung der Shake Company).
Humor und Ernsthaftigkeit: Die Culture-Clash-Komödie nimmt das Publikum mit auf eine Reise, bei der Lachen und Nachdenken im Vordergrund stehen. Der Film regt mit einer guten Portion Humor zum Nachdenken über heikle Themen wie Integration und Vorurteile an, ohne dabei belehrend zu sein.
Hochkarätige Besetzung: Die Verfilmung basiert auf einem erfolgreichen Theaterstück und bietet eine starke Besetzung mit bekannten Namen wie Hape Kerkeling, Christoph Maria Herbst und Fahri Yardım.
Relevante und aktuelle Themen: Die Geschichte dreht sich um eine vermeintlich harmlose Situation in einem Tennisclub, die jedoch die Spannungen und Klischees im Umgang mit Andersartigkeit offenlegt.
Anregung zur Diskussion: Der Film hat das Potenzial die Zuschauer:innen dazu bringen, eigene Positionen zu überdenken und sich mit den Meinungen anderer auseinanderzusetzen. Das Thema regt zu Gesprächen und Austausch an, wie auch die zugrundeliegende Theaterproduktion bereits bewiesen hat.