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Der böse Onkel

Urs Odermatt lernte mit seinem Film 2012 das allzu oft allzu biedere Schweizer Spielfilmschaffen das Fürchten.

Ein Rohjuwel: Eigenwillig und wegweisend, schrieb arttv.ch über den Film, der den sexuellen Missbrauch eines Turnlehrers thematisierte. Ironie der Geschichte: Jetzt rund zehn Jahre nach Kinostart musste sich der Regisseur selber vor Gericht für sexuelle Nötigung im Rahmen eines Castingexperimentes verantworten.

Zum Film: Trix Brunner ist vor zwölf Jahren in ein Dorf im Kanton Aargau gezogen. Doch sie bleibt fremd: eine Zugezogene! Ihre Tochter berichtet, wie ihr Sportlehrer seine Schülerinnen angafft, perverse Spielchen spielen lässt, sie im Schwimmunterricht begrapscht. Trix Brunner beginnt gegen diese Missstände anzukämpfen. Dabei ist sie die Bekämpfte. Denn Sportlehrer Armin ist das Aushängeschild des Dorfes, war er doch in den 70ern Landesmeister im Turmspringen. Der einzige Held, den die Gemeinde je hervorgebracht hat, darf nicht beschmutzt werden… Die Bürgermeisterin blockt ab, die Presse ist desinteressiert. Auch die Tochter von Trix will nichts mit den Vorwürfen der Mutter zu tun haben, sie will keine Aussenseiterin sein. Einen Verbündeten findet Trix im schwulen Musiklehrer. Doch der wird durch eine Intrige in den Selbstmord getrieben. Trix stellt sich ganz allein dem Kampf gegen den schweigenden Block.

Stimmen: «Immer wieder wird gefordert, der Schweizer Film müsse radikaler werden. In der Tat, allzu vielen Produktionen haftet Biederkeit und Mutlosikgeit an. Anders Urs Odermatts Film! Rassant in der Montage, witzig und unerschrocken nähert er sich auf unterhaltende und unkonventionelle Art und Weise dem Thema des sexuellen Missbrauchs an. Odermatt hat mit seinem Film einen künstlerischen Rohdiamanten geschaffen. Zukunftweisend für eine ganze Branche. Kino von Morgen! Füdlibürger und Moralapostel werden den Film trotzdem hassen.» arttv.ch | «Ein rasender, vielschichtiger, fulminanter, turbulenter, grotesk witziger Film um sexuellen Missbrauch und das Schweigen – der in seiner einfallsreich collagenartigen Form seinem etwas angestaubten Thema weit voraus ist.» Harald Mühlbeyer, cinefacts | «Freches und witziges Schweizer Kino.» Heinz Badewitz, Hofer Filmtage. | Die Machart von «Der böse Onkel» ist so atemberaubend ungewöhnlich, dass man kaum glauben kann, dass der Regisseur ein Schweizer ist. Unfassbar auch, dass sich so ein Werk – 50 Drehtage, 67 Schauspieler, 183 Crewmitglieder – mit nur 68’000 Franken realisieren liess. Dem Film ist Erfolg zu wünschen. Tages Anzeiger

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