Was bleibt einem Menschen, wenn Freiheit, Sicherheit und Selbstbestimmung fehlen? In A FOX UNDER A PINK MOON wird Kunst zur Sprache, zum Schutzraum und zur Möglichkeit, das eigene Leben wenigstens in Bildern selbst zu bestimmen. arttv.ch präsentiert den vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilm am Films for Future Festival 2026 als Presenting Partner.
A FOX UNDER A PINK MOON – Kunst als Überlebensstrategie
A FOX UNDER A PINK MOON | SYNOPSIS
Die junge afghanische Künstlerin Soraya Akhlaghi lebt im Iran und versucht über Jahre hinweg, nach Europa zu gelangen, um ihre Mutter in Österreich wiederzusehen. Gleichzeitig steckt sie in einer gewalttätigen Ehe fest. Mit ihrem Smartphone dokumentiert sie ihren Alltag, ihre Fluchtversuche und ihre künstlerische Arbeit. Über fünf Jahre hinweg entsteht so ein persönliches filmisches Tagebuch. Zeichnungen, Skulpturen und surreale Animationen verbinden sich mit Sorayas eigenen Aufnahmen zu einem intimen Porträt einer jungen Frau, die trotz Gewalt, Unsicherheit und fehlender Freiheit versucht, ihr Leben selbst zu bestimmen.

Die Kamera wird zur eigenen Stimme
A FOX UNDER A PINK MOON ist mehr als ein Film über Flucht, Gewalt und prekäre Lebensverhältnisse. Im Zentrum steht die Frage, welche Kraft künstlerischer Ausdruck entwickeln kann, wenn reale Handlungsspielräume immer kleiner werden. Die Bilder, Zeichnungen und Skulpturen von Soraya Akhlaghi sind dabei kein illustratives Beiwerk. Sie bilden das eigentliche Herz des Films. Bemerkenswert ist vor allem die filmische Form. Soraya filmt selbst, hält ihren Alltag mit dem Smartphone fest und entwickelt im Verlauf der fünfjährigen Entstehungszeit zunehmend eine eigene Bildsprache. Regisseur Mehrdad Oskouei begleitet diesen Prozess aus der Distanz, doch die Kamera gehört Soraya. Sie entscheidet mit, was sichtbar wird und wie sie selbst in Erscheinung tritt. Aus einer dokumentierten Person wird eine Mitautorin ihrer eigenen Geschichte. Diese Perspektive verhindert, dass A FOX UNDER A PINK MOON zu einem konventionellen Opferporträt wird.
Bilder gegen die Sprachlosigkeit
Besonders stark sind jene Momente, in denen Sorayas Kunst übernimmt, wo Worte nicht mehr ausreichen. Immer wieder tauchen Motive wie der Fuchs oder der rosa Mond auf und bilden eine poetische Gegenwelt zur Realität. Zeichnungen, Skulpturen, Handyaufnahmen und Animationen verschmelzen zu einer sehr persönlichen Bildsprache. Diese Kunst dient nicht der Verschönerung des Erlebten. Sie verarbeitet Angst, Gewalt, Sehnsucht und Hoffnung. Kunst ist hier nicht Luxus, sondern existenzielle Strategie. Wer kaum Kontrolle über die äusseren Umstände besitzt, kann zumindest darüber bestimmen, wie diese Erfahrungen in Bilder übersetzt werden.
Mehr als ein Menschenrechtsfilm
A FOX UNDER A PINK MOON lässt sich leicht als Film über Migration oder häusliche Gewalt einordnen. Doch das würde ihm nicht gerecht. Ebenso zentral ist die Entwicklung einer jungen Künstlerin, die sich mit jedem Bild ein Stück Autonomie zurückholt. Dass der Film international grosse Aufmerksamkeit erhalten hat, überrascht deshalb kaum. Beim IDFA 2025 wurde er mit dem Hauptpreis der International Competition ausgezeichnet, später folgten weitere Festivalpreise, darunter der Grand Prix de Genève beim FIFDH.
Fazit
A FOX UNDER A PINK MOON erzählt nicht in erster Linie davon, was Soraya genommen wurde, sondern davon, was sie sich selbst schafft: Bilder, Ausdruck und eine eigene Perspektive. Kunst ist hier nicht Dekoration des Lebens, sondern Überlebensstrategie.

