Während der wirtschaftlichen Boomjahre der Nachkriegszeit arbeiteten hunderttausende ausländische Arbeitskräfte in der Schweiz. Doch das sogenannte Saisonnierstatut verbot ihnen, ihre Familien mitzunehmen. Viele Eltern taten es trotzdem – heimlich. Ihre Kinder lebten versteckt in Wohnungen, fern von Schule, Öffentlichkeit und oft auch von Freundschaften. Das Stück VERSTECKT, das nun bei Konzert und Theater St.Gallen gezeigt wird, bringt diese lange verdrängte Realität auf die Bühne.
VERSTECKT – Eine Kindheit im Schatten der Schweizer Migrationspolitik
- Publiziert am 27. Februar 2026
Das Konzert und Theater St.Gallen erzählt von Saisonniers-Kindern, die im Verborgenen leben mussten.
Das System der Saisonniers
Über Jahrzehnte bestimmte das Saisonnierstatut die Schweizer Migrationspolitik. Arbeitskräfte aus Italien, Spanien oder Portugal durften nur für eine begrenzte Zeit im Land bleiben und hatten kein Recht auf Familiennachzug. Trotzdem entschieden sich viele Familien, ihre Kinder heimlich in die Schweiz zu holen. Für diese bedeutete das ein Leben in ständiger Vorsicht: nicht auffallen, nicht laut sein, nicht gesehen werden.
Eine Geschichte aus der Perspektive eines Kindes
Im Zentrum des Stücks steht das Mädchen Lucia. Während ihre Eltern arbeiten, bleibt sie allein in der Wohnung – ein Raum, der gleichzeitig Schutz und Gefängnis ist. Geräusche im Treppenhaus, Schritte im Flur oder ein Klingeln an der Tür können jederzeit Gefahr bedeuten. Die Autor:innen Ariane von Graffenried und Martin Bieri erzählen diese Erfahrung mit grosser Sensibilität und lassen so eine Kindheit sichtbar werden, die lange im Schatten blieb.
Theater als Erinnerungsraum
Die Inszenierung von Max Merker, ursprünglich am Luzerner Theater entstanden, wird mit Mitgliedern des Ensembles von Konzert und Theater St.Gallen neu eingerichtet. Sie verbindet persönliche Geschichte mit gesellschaftlicher Erinnerung und stellt die Frage, wie eine Gesellschaft mit den blinden Flecken ihrer Vergangenheit umgeht. Das Theater wird so zum Ort, an dem verdrängte Geschichten endlich einen Platz im öffentlichen Bewusstsein erhalten.
