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Theater St.Gallen | Pasolini

Das Theater St.Gallen würdigt mit Marco Santis neuem Tanzstück das Werk und Leben des italienischen Regisseurs Pier Pasolini - vital, brutal, unheimlich betörend!

Heute gilt er als einer der wichtigsten Literaten und Filmemacher des
20. Jahrhunderts, zu seinen Lebzeiten war Pier Paolo Pasolini (1922–1975) als politischer Künstler und Privatmann allerdings äussert umstritten. 2005 wurde sein nie detailliert aufgeklärter Tod in Ostia wiederum zum Medienereignis, als Pasolinis Mörder Pino Pelosi in widersprüchlichen Gerichtsaussagen anonyme Auftraggeber erwähnte. Aus dem Gefängnis wurde Pelosi mit der Verpflichtung entlassen, lebenslang das Monument an Pasolinis Sterbeort in Ostia bei Rom zu pflegen. Poetische Mystifikationen von Pasolinis Tod und Spekulationen über dessen Selbstinszenierung mit messianischen Erlösungsideen überlagerten in den vergangenen Jahren den zivilisationskritischen Sprengstoff seiner Werke, in denen er sogar die aktuellen Umwälzungen im neuen Kapitalismus prognostizierte.
Ausgangspunkt des Tanzstücks ist das Leben eines Mannes, der mit offener Kritik gegen Faschismus und Bourgeoisie enge Freunde, Staat, Gesellschaft und nicht zuletzt sich selbst attackierte. Obwohl Pasolini aufgrund seiner Homosexualität vom Lehramt und der Kommunistischen Partei Italiens ausgeschlossen wurde, resignierte er nicht: Kompromisslos artikulierte er seine Utopie einer klassenlosen Gesellschaft und übte mit «verzweifelter Lebensgier» («disperata vitalitá») Kritik an Missständen und opportunistischen Kunstproduktionen. Diese sinnliche Aktivität prägte seine Filme (wie Teorema und 120 Tage von Sodom) und sein umfangreiches belletristisches Werk zwischen Vita Violenta und dem postum erschienenen Skandalroman Petrolio. Ungewöhnliche Stilmittel der Sprache und der Inszenierung verwandte Pasolini im Bemühen um Deutlichkeit. Die poetische Dimension seines Schaffens war nie kalkuliertes Wirkungsmoment, sondern entstand durch analytische Strategien. Marco Santi nähert sich in einer kritischen Hommage Pasolinis Leben und Werk, dessen moralischen Skrupeln und intensiven Selbstzweifeln.

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