Die Toten eines Dorfes steigen aus ihren Gräbern und gehen zurück in ihre Häuser. Alles schön: Der Himmel ist blau. Die Liebe ist perfekt. Die Arbeit macht Freude. Das Geld ist abgeschafft. Alles ist gut. Bis eine Ziege verschwindet. Der Limmat Verlag hat den Roman «Dorf im Himmel» des Westschweizer Autoren C. F. Ramuz erstmals auf Deutsch veröffentlicht – übersetzt von Steven Wyss. Jetzt kommt er in einer Spielfassung des Theater Aeternam auf die Bühne.
Himmlische Utopie im Kleintheater Luzern
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Theater Aeternam inszeniert C. F. Ramuz’ «Dorf im Himmel» erstmals als deutschsprachige Bühnenfassung.
Die Umkehrung des Paradieses
«Dorf im Himmel» handelt von Menschen in einem nicht näher benannten Dorf. Gleich zu Beginn erheben sie sich aus ihren Gräbern und machen sich auf (zurück) in ihr Dorf. Dort werden sie von anderen Auferstandenen freudig begrüsst. Jede:r geht nach Hause und findet alles noch viel schöner vor, als es einst war – gerade so, als hätte eine unsichtbare Hand alles neu gemacht. Sie fragen sich, wie das möglich ist.
In seinem Roman schildert der Waadtländer Charles Ferdinand Ramuz diese Auferstehung, als sei sie ganz selbstverständlich. Dorf im Himmel ist eine Utopie, aber nicht nur. Denn die alte Welt, ihr altes Leben, steckt den Dörfler:innen noch in den Knochen. Sie tragen das Unheimliche noch in sich, und es spricht aus ihnen heraus, wenn sie miteinander in ihrem Himmelsdorf reden. Sie erinnern sich an ihr irdisches Leben, das voller Schmerz und Unvermögen war.
Das Himmelsdorf
Im Himmel erfahren sie, wie sich ein leichtes neues Leben anfühlt, doch nutzt sich das neu gefundene Glück schnell ab. Eines Tages treibt es die Ziegenhirtin Thérèse in die Berge hinauf, hinein in eine Schlucht und an einen Ort, an dem sie das Tor zur alten Welt vermutet. C. F. Ramuz gibt keine eindeutige Lesart vor. Was er vorlegt, ist eine ebenso betörende wie verstörende Parabel über die menschliche Existenz auf dieser Erde. Seine Figuren überwinden Mühsal und Glück, kommen an – und wollen dennoch weiter. Sie sind ihre eigenen Geister, die guten wie die bösen.
Engagierte Bühnenkunst
Das Theater Aeternam ist seit über 30 Jahren eine freie Theatergruppe in Luzern. Sie wurde 1994 als ambitionierte Amateurtruppe gegründet und hat sich parallel zur Entwicklung einer freien Theaterszene in Luzern professionalisiert. Das Theater Aeternam ist neben dem Kinder- und Jugendtheater luki*ju die älteste und konstanteste Gruppe der regionalen Szene. Es hat seit der Gründung in jedem Jahr eine Produktion auf die Bühne gebracht. «Dorf im Himmel» ist der 31. Theaterabend der Gruppe. 2009 wurde das Theater Aeternam mit dem Anerkennungspreis der Stadt Luzern ausgezeichnet.
