Seit über zwanzig Jahren bewegt sich die Gitarristin, Schlagzeugerin, Sängerin, Komponistin und multidisziplinäre Künstlerin Simone Aubert in einer bewusst «unklassifizierbaren» Musiklandschaft zwischen Pop, Punk, Elektronik, Folk, Rock, Experiment und zeitgenössischer Musik. Mehr als 1100 Konzerte auf fünf Kontinenten zeugen von einer aussergewöhnlichen Dichte an Praxis, Präsenz und Erfahrung. Mit Projets 26/27 richtet Simone Aubert den Blick nun nach innen – und nach vorne.
SIMONE AUBERT
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Vom Dauerlauf zur Fokussierung
Ein Leben auf Tour, ständig neue Projekte, permanente Bewegung: Hier setzt der Wunsch nach Neuordnung an. Nach Jahren maximaler Aktivität will Aubert ihre zahlreichen künstlerischen Stränge bündeln, strukturieren und gezielter weiterentwickeln. Nicht weniger Arbeit, sondern eine andere Gewichtung steht im Zentrum. Geplant sind mehrere zentrale Vorhaben: das dritte Album ihres Projekts Tout Bleu mit internationalen Tourneen, ein Soloalbum sowie die Gründung eines neuen Post-Punk-Trios. Unterschiedliche Formate, unterschiedliche Energien – aber eingebettet in eine gemeinsame, tragfähige Struktur.
Strukturen für künstlerische Freiheit
Ein entscheidender Schritt ist der Ausbau des Vereins Phasma, der künftig Administration, Planung und Koordination übernimmt. Ziel ist es, Simone Aubert von organisatorischem Druck zu entlasten und Raum zu schaffen: für Komposition, Proben, Recherche und künstlerische Vertiefung. Im Zentrum steht ein Perspektivenwechsel. Statt möglichst viele Konzerte zu spielen, soll der kreative Prozess selbst mehr Gewicht erhalten – für Aubert ebenso wie für die Musiker*innen in ihrem Umfeld. Forschungsresidenzen, Zeit zum Komponieren und faire Arbeitsbedingungen werden bewusst priorisiert.
Erfahrung als Ressource
Projets 26/27 versteht sich nicht als Neustart, sondern als Konsolidierung. Die enorme Erfahrung aus Jahrzehnten auf Bühnen, in Studios und kollektiven Arbeitsformen fliesst in eine Phase, in der Qualität vor Quantität steht. Die Musik darf wieder entstehen, bevor sie zirkuliert. Die Jury betonte die Vielseitigkeit von Simone Auberts Karriere, ihre eigenständige Klangsprache und die aussergewöhnliche Dichte ihres bisherigen Schaffens. Gerade diese Fülle soll nun in einer konsolidierten Struktur weiterentwickelt werden – klarer, nachhaltiger und mit langfristiger Perspektive. So wird Projets 26/27 zu einem bewussten Schritt der Reifung: weniger Getriebensein, mehr Tiefe. Und zu einer Einladung, künstlerische Arbeit nicht nur als Output, sondern als Prozess ernst zu nehmen.