Kaum jemand hat das Schweizer Jodeln in den vergangenen Jahrzehnten so geprägt wie Nadja Räss. Nun erhält die Sängerin, Pädagogin und Kulturvermittlerin den mit 100 000 Franken dotierten Schweizer Grand Prix Musik 2026, die höchste musikalische Auszeichnung des Bundes. Damit würdigt das Bundesamt für Kultur nicht nur eine aussergewöhnliche Künstlerpersönlichkeit, sondern auch eine Frau, die das Jodeln weit über die Grenzen der Volksmusik hinaus sichtbar gemacht hat.
Jetzt kann Nadia Räss erst recht jauchzen!
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Eine Brückenbauerin zwischen Tradition und Gegenwart
Die aus Einsiedeln stammende Nadja Räss gehört zu den wichtigsten Stimmen der Schweizer Jodelkultur. Nach einem klassischen Gesangsstudium entschied sie sich bewusst für die Auseinandersetzung mit der Schweizer Gesangstradition und entwickelte daraus eine eigenständige künstlerische Sprache. Seit 2018 unterrichtet sie als Professorin an der Hochschule Luzern und engagiert sich seit Jahren für die Weiterentwicklung und Vermittlung des Jodelns. Zu ihren bedeutendsten Verdiensten zählt ihr Einsatz für die Anerkennung des Jodelns als immaterielles Kulturerbe. Sie war massgeblich daran beteiligt, dass die Schweizer Jodeltradition in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. Bereits 2025 wurde sie mit dem Goldenen Violinschlüssel ausgezeichnet, der höchsten Ehrung der Schweizer Volksmusik.
Vielfalt des Schweizer Musikschaffens
Neben Nadja Räss zeichnet das Bundesamt für Kultur zehn weitere Musiker:innen, Kollektive und Institutionen aus. Zu den Preisträger gehören unter anderem der genreübergreifende Multiinstrumentalist Domi Chansorn, die international renommierte Geigerin Esther Hoppe, die experimentelle Musikerin Flèche Love sowie das Bündner Ensemble ö!, das seit über zwanzig Jahren die zeitgenössische Musik in Graubünden prägt. Mit Spezialpreisen werden zudem die Thuner Café Bar Mokka, das Zürcher Label Intakt Records und das Tessiner Kulturprojekt La Via Lattea geehrt. Sie alle stehen exemplarisch für eine Musikszene, die von Vielfalt, Experimentierfreude und regionaler Verankerung lebt.
Schweizer Musikpreise in Lausanne
Die 13. Verleihung der Schweizer Musikpreise findet am 19. September 2026 in der Salle Paderewski im Casino de Montbenon in Lausanne statt. Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider wird die Preise persönlich überreichen. Die Veranstaltung ist Teil des Festivals Label Suisse, das alle zwei Jahre die ganze Bandbreite des Schweizer Musikschaffens präsentiert – von Pop und Jazz über Klassik bis zur Neuen Volksmusik. Mit dem Schweizer Grand Prix Musik erhält Nadja Räss die verdiente Anerkennung für ein Lebenswerk, das Tradition bewahrt und gleichzeitig neue Wege eröffnet. Oder anders gesagt: Die Frau, die das Jodeln in die Gegenwart geführt hat, darf nun selbst einen Freudenjauchzer anstimmen.