Die Nova Fundaziun Origen lädt in Mulegns zu Führungen, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Ortes miteinander verweben – vom traditionsreichen Hotel Löwe über den visionären Weissen Turm bis zur Weissen Villa in dereinst ein Zucherbäcker-Museum entstehen soll. Sandro Pirovinao, Projektkoordinator Nova Fundaziun Origen hat arttv.ch auf einen Rundgang mitgenommen.
Mulegns erleben: Führungen durch Hotel Löwe, Weissen Turm und Weisse Villa
Hotel Löwe – Die Geschichte der Zuckerbäcker
Wer durch das traditionsreiche Hotel Löwe geführt wird, betritt ein Stück Bündner Migrationsgeschichte. Im 19. Jahrhundert zogen Zuckerbäcker aus dem Oberhalbstein in die Metropolen Europas, kehrten mit Wohlstand zurück und prägten das Dorfbild. Das Hotel erzählt von dieser Blütezeit, von Reisekultur und bürgerlicher Repräsentation – aber auch vom späteren Stillstand. Die sorgfältige Restaurierung macht das Gebäude heute wieder erlebbar. In den Führungen wird deutlich, dass es hier nicht nur um schöne Stuckdecken oder historische Salons geht, sondern um Identität: Wie viel Geschichte trägt ein Haus? Und wie kann man sie bewahren, ohne sie museal erstarren zu lassen?

Tor Alva – Der Weisse Turm als Zukunftszeichen
Mit dem Tor Alva, dem Weissen Turm von Mulegns, setzt Origen ein weithin sichtbares Zeichen. Der digital geplante und im innovativen 3D-Druckverfahren realisierte Bau wirkt wie eine filigrane Skulptur im alpinen Raum. Er steht für Aufbruch, Experimentierfreude und die Verbindung von Hochtechnologie mit kultureller Vision. Während der Führung erfahren Besucher:innen mehr über die komplexe Planung, die ingenieurtechnischen Herausforderungen und die symbolische Bedeutung des Turms. Initiiert wurde das Gesamtprojekt von Giovanni Netzer, der Mulegns als kulturelles Labor versteht – als Ort, an dem Kunst nicht nur präsentiert, sondern Zukunft gestaltet wird.

Gelbes Haus und Weisse Villa – Vom Ausstellungsraum zum geplanten Zuckerbäckermuseum
Das Gelbe Haus dient als Ausstellungs- und Begegnungsort innerhalb des Origen-Ensembles. Hier finden künstlerische Interventionen, Gespräche und Programme statt, die das Dorf mit zeitgenössischen Positionen vernetzen. Die Führungen geben Einblick in diese kuratorischen Konzepte und zeigen, wie historische Bausubstanz neu genutzt wird. Ein weiterer wichtiger Baustein der Zukunftsvision betrifft die Weisse Villa: Dort ist ein Zuckerbäckermuseum mit Manufaktur und Café geplant. Es soll die Geschichte der Bündner Zuckerbäcker nicht nur dokumentieren, sondern sinnlich erfahrbar machen – mit Ausstellungen, Produktion und Begegnungsort zugleich.
Die Rundgänge der Nova Fundaziun Origen machen spürbar, dass Mulegns mehr ist als ein Sanierungsprojekt. Es ist ein kulturelles Gesamtkunstwerk – ein Beispiel dafür, wie Architektur, Theater, Konzerte, Kunst, Literatur und gesellschaftliche Vision ineinandergreifen können. Wer hierherkommt, erlebt nicht nur Gebäude, sondern eine Idee: dass Kultur selbst in einem winzigen Bergdorf eine enorme Strahlkraft entfalten kann, die international ausstrahlt.


