Wenn Ende März fast 50 Autor:innen, Übersetzer:innen und Künstler:innen nach St. Gallen kommen, geht es nicht nur um Bücher, sondern um die elementare Frage unserer Zeit: Wie verstehen wir einander? Das Literaturfestival Wortlaut widmet seine 17. Ausgabe dem Prozess des Übertragens — zwischen Sprachen, Kulturen, Erfahrungen und Wirklichkeiten. In einer Welt wachsender Polarisierung wird Übersetzen hier zur kulturellen Schlüsselkompetenz.
Wortlaut St. Gallen — Literatur als Kunst des Verstehens
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Das 17. Literaturfestival Wortlaut rückt mit dem Motto «über:setzen» die Frage ins Zentrum, wie Sprache Bedeutung schafft — und Brücken baut.
Eröffnung — Lukas Bärfuss im Gespräch
Der Schweizer Schriftsteller Lukas Bärfuss eröffnet das Festival mit einer grundsätzlichen Reflexion über das Motto «über:setzen». Im Gespräch mit Nicola Steiner geht er der Frage nach, wie Literatur gesellschaftliche Relevanz gewinnt, wie Autor:innen ihren Themen Gehör verschaffen — und weshalb der Akt des Übersetzens heute weit über Sprache hinausgeht. Musikalisch begleitet wird der Abend vom Thurgauer Gitarristen Tobias Engeler; das offizielle Grusswort spricht Regierungsrätin Laura Bucher.
Sprache zwischen Verständigung und Widerstand
Vom 27. bis 29. März 2026 verwandeln sich Lokremise, Bibliotheken, Grabenhalle und weitere Orte in eine literarische Bühne mit Lesungen, Performances und Diskussionen. Autor:innen wie Lukas Bärfuss, Martina Clavadetscher, Jonas Lüscher, Nora Gomringer oder Usama Al Shahmani zeigen, wie Literatur gesellschaftliche Spannungen sichtbar macht und zugleich Verständigung ermöglicht. Das Festival versteht Übersetzen dabei nicht nur als sprachliche Technik, sondern als kulturelle Praxis: Wie werden komplexe Inhalte zugänglich? Wie lassen sich Erfahrungen über Grenzen hinweg vermitteln? Und wie formulieren wir so, dass wir wirklich verstanden werden?
Vielfalt der Formen — hohe Nachfrage
Neben klassischen Lesungen bietet Wortlaut ein breites Spektrum vom Poetry Slam über eine musikalisch begleitete Buchtaufe bis hin zum «Silent Reading Rave» im öffentlichen Raum. Ein kostenloses Familienprogramm, neue Kooperationen sowie Auftritte von Debütantinnen ergänzen das Programm. Die Nachfrage ist entsprechend gross: Tages- und Festivalpässe sind bereits ausverkauft, Einzeltickets für viele Veranstaltungen — insbesondere am Samstagabend und Sonntag — sind jedoch weiterhin erhältlich, meist direkt an den jeweiligen Kassen. Freier Eintritt gilt unter anderem für Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre sowie für Geflüchtete und Mitglieder des A*dS. Damit bleibt Wortlaut seinem Anspruch treu, Literatur als offenes Forum für ein breites Publikum zugänglich zu machen.