Szene

Schweizer Buchpreis 2022

Simon Froehling, Lioba Happel, Kim de l’Horizon, Thomas Hürlimann und Thomas Röthlisberger gehen in das Rennen um den Schweizer Buchpreis 2022

Die Shortlist ist da! Aus den 88 eingereichten Titeln hat die Jury bestehend aus Tanja Bhend (Buchhändlerin), Sieglinde Geisel (freie Kritikerin und Schreibcoach), Annette König (SRF Literaturredaktion), Martina Läubli (Kulturjournalistin «NZZ am Sonntag», Leiterin von «Bücher am Sonntag») und Yeboaa Ofosu (Kulturwissenschaftlerin und Literaturexpertin) nun die nominierten bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet im November im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals BuchBasel statt.

«Die Romane der diesjährigen Shortlist zeichnen sich durch sprachliche Virtuosität und Kühnheit ebenso aus wie durch existenzielle Stoffe. Einerseits liest man von Grenzerfahrungen wie Depression und Psychiatrie, der Auflösung der geschlechtlichen Identität sowie der ins Monströse gesteigerten Rache für eine traumatische Kindheit. Andererseits begegnet man narrativer Spannung, überbordender Fabulierlust und einem manchmal abgründigen Witz.»
Jurysprecherin Sieglinde Geisel

Simon Froehling | Dürrst

Simon Froehlings zweiter Roman führt nach Athen, Kairo, Berlin und Zürich und öffnet den Blick in die Lebensrealität eines homosexuellen Mannes, der zwischen Dating- und Künstlerszene seinen Weg sucht und immer wieder mit den Abgründen seiner bipolaren Erkrankung konfrontiert ist. Konsequent in der zweiten Person erzählt, hält das Buch Leser:innen auf Distanz und geht doch unter die Haut. So schonungslos die Schilderungen sind, so kunstvoll verbinden sich die Zeitebenen zu einer Lektüre von ungewöhnlicher Intensität. (Bilgerverlag)

Lioba Happel | Pommfritz aus der Hölle

Aus dem Gefängnis heraus schreibt Fritz 23 Briefe über seine Kindheit. Er schreibt an den «Vatter», den er als Kind nur einmal zu Gesicht bekommen hat, er schreibt über die Spezialschule, die Sozialarbeiterin vom Amt und die rettende Begegnung mit der Literatur Rimbauds. Vor allem aber schreibt er über die Mutter, die ständig ass, ihn ans Tischbein band und schlug – und die er schliesslich umgebracht hat. Wie es dazu kam, wird furios erzählt, mit einem Sog, dem man sich kaum entziehen kann. (Pudelundpinscher Verlag)

Kim de l‘Horizon | Blutbuch

Aufgewachsen in einem schäbigen Schweizer Vorort, ist die Erzählfigur von «Blutbuch» den engen Strukturen der Herkunft entkommen, lebt in Zürich und fühlt sich im nonbinären Körper wohl. Doch dann erkrankt die Grossmutter an Demenz, und das Ich beginnt, sich mit der Vergangenheit und den bruchstückhaften Erinnerungen an die eigene Kindheit auseinanderzusetzen. Der Text lässt Erzählkonventionen hinter sich und erzählt auf verblüffend eigenwillige Art eine Familiengeschichte vor dem Hintergrund der aktuellen Gender- und Klassendebatten. (Dumont Verlag)

Thomas Hürlimann | Der Rote Diamant

1963 kommt der elfjährige Arthur Goldau in ein Klosterinternat, in dem die Zeit stillzustehen scheint. Die Fratres führen ein strenges Regiment, es wird gelernt, was schon Generationen vorher gelernt haben, die österreichische Ex-Kaiserin Zita kommt gelegentlich zu Besuch, und es soll sich sogar ein sagenumwobener Diamant aus der Habsburger Krone im Kloster befinden. Doch die Jugendlichen sehen den gesellschaftlichen Umbruch schon am Horizont. Mit der Mischung aus spannendem Internatsroman, philosophischem Kloster-Krimi und ironischem Abgesang auf eine vergangene Zeit zündet Hürlimann ein grandioses Erzählfeuerwerk. (S. Fischer Verlag)

Thomas Röthlisberger | Steine zählen

Ein nordisches Drama entfaltet sich um Matti, der allein, nur mit Hund, Gewehr und Schnapsflasche, in seiner Bauernkate in Südfinnland zurückbleibt; um Märta, seine Frau, die ihn nach vierzig Jahren verlassen hat, und um Olli, den Sohn, der seinen Platz im Leben nicht gefunden hat und immer in Geldnöten steckt. Eines Tages findet der lokale Polizeibeamte Matti vor dem Haus in einer Blutlache liegend. Der Text, der alle Ingredienzien eines guten Krimis hat, entwickelt sich zu einem tiefgründigen Roman um Lebenslügen und Verstrickungen. (Edition Bücherlese)

Lesetour 2022

18. Oktober 2022 | Orell Füssli Basel, Türöffnung 19.00; Veranstaltungsbeginn 19.30 Uhr
20. Oktober 2022 | Literaturhaus Berlin und literaturkanal.tv, 19.00 Uhr. Live-Veranstaltung mit Livestream. Abrufbar über www.literaturkanal.tv
22. Oktober 2022 | Frankfurt am Main, Open Books Lesefest, Römerhallen im Rathaus, 20.00 Uhr
23. Oktober 2022 | Frankfurter Buchmesse, Blaues Sofa, ZDF/3Sat-Stand Halle 3.1. H23/J23, 15.00 Uhr
28. Oktober 2022 | Literaturhaus Zürich, 20.00 Uhr
30. Oktober2022 | Literaturhaus Hamburg «Literaturhaus Hamburg im Hotel Wedina», 17.00 Uhr
2. November 2022 | Literaturhaus Stuttgart, 19.30 Uhr
10. November 2022 | Literaturhaus Wyborada, Sankt Gallen, 19.00 Uhr
13. November 2022 | Lit.z, Literaturhaus Zentralschweiz, Stans, 11.00 Uhr
17. November 2022 | «B-LESEN präsentiert», in der Aula im PROGR, Bern, 20.00 Uhr
19. November 2022 | Internationales Literaturfestival BuchBasel, Einzellesungen, Volkshaus, Festsaal 11.00-18.00 Uhr
20. November 2022 | Preisverleihung, Foyer Theater Basel, 11.00 Uhr
22. November 2022 | Orell Füssli Bern, 1. Gewinner*innen-Lesung, Türöffnung 19.30; Veranstaltungsbeginn 20.00 Uhr
24. November 2022 | Residenz der Schweizer Botschaft, Wien, Anlass auf Einladung
25. November 2022 | Buch Wien, Messe Wien, Halle D, DER STANDARD-Bühne, 14.30 Uhr

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