Vom 15. bis 17. Mai 2026 verwandelt sich Solothurn erneut in den wichtigsten Treffpunkt der literarischen Schweiz. Autor:innen aus allen Sprachregionen präsentieren ihre aktuellen Bücher, diskutieren über Literatur und Gesellschaft — und stellen Werke vor, die das Gespräch über die Gegenwart prägen. Mittendrin: die Premiere von Lukas Bärfuss’ neuem Buch sowie drei Romane, die wir besonders empfehlen.
48. Solothurner Literaturtage – An drei Tagen dreht sich in Solothurn alles um Literatur
- Publiziert am 12. März 2026
Rund 70 geladene Gäste, neue Stimmen, grosse Namen und eine Roman-Premiere, die besonders neugierig macht.
Premiere von Lukas Bärfuss
Zu den Höhepunkt in der diesjährigen Ausgabe zählt die Buchpremiere von Lukas Bärfuss. Der vielfach ausgezeichnete Autor gehört zu den prägenden Stimmen der Schweizer Gegenwartsliteratur. Seine Texte verbinden persönliche Erfahrungen mit gesellschaftlicher Analyse — oft unbequem, aber immer präzise. Dass er sein neues Werk ausgerechnet in Solothurn erstmals vorstellt, unterstreicht die Bedeutung der Literaturtage als zentraler Ort literarischer Öffentlichkeit. Hier entscheidet sich nicht selten, welche Bücher in den kommenden Monaten besonders intensiv diskutiert werden. Das wird wohl beim neuen Roman von Bärfuss sicherlichi der Fall sein. In «Königin der Nacht» (Rowohlt, 2026) nähert er sich seiner eigenen Mutter: einer Frau ohne Bildung und Perspektiven, die sich weigert, Mutter zu sein.
Internationale literarische Stimmen
Auch Dorothee Elmiger wird erwartet, deren Roman «Die Holländerinnen» (Hanser, 2025) mit dem Bayerischen, dem Schweizer und dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet wurde. Mit Dimitré Dinev, dem Gewinner des Österreichischen Buchpreises, Katerina Poladjan, kürzlich mit dem Grossen Preis des Deutschen Literaturfonds ausgezeichnet, sowie den Bestsellerautor:innen Olivier Guez (Frankreich), Marco Balzano (Italien) und Lize Spit (Belgien) sind renommierte europäische Schriftsteller:innen mit ihren aktuellen Büchern zu Gast. Neu auf Deutsch zu entdecken ist die südsudanesische Autorin Stella Gaitano in der Übersetzung von Larissa Bender, neu auf Französisch wiederum die palästinensische Autorin Asmaa Azaizeh in der Übersetzung von Chakib Ararou.
Neue literarische Stimmen
Ein junges französischsprachiges Talent präsentiert sich mit Jonas Sollberger. Der Student am Schweizerischen Literaturinstitut sorgt mit seinem Debüt «Viens Élie» (Éditions de Minuit, 2026), einer poetischen Suche nach Identität, im In- und Ausland für Aufmerksamkeit. Die Lyrik ist unter anderem mit der italienischsprachigen Autorin Noemi Nagy vertreten, in deren Gedichtband «Sottopelle» (Samuele Editore, 2025) der Körper zur vielschichtigen Metapher für unsere Gegenwart wird. Auch aus dem Inland richtet das Festival überzeugende neue literarische Stimmen in den Fokus: Katja Früh, Camille Leyvraz, Louisa Merten, Katinka Ruffieux, Kat Splitterberg, Veronika Sutter und Olivier Vonlanthen präsentieren ihre Romandebüts.
Drei Bücher, die besonders neugierig machen

Hundesöhne von Louisa Merten
Louisa Mertens — «Hundesöhne» (2025, Lenos Verlag)
Der Roman führt in das Tierheim Le Chat, genannt Lösch — einen Ort zwischen Fürsorge und Verzweiflung, zwischen Nähe und Aggression. Im Zentrum steht Ginny, eine Figur ohne festen Halt, deren Suche nach Zugehörigkeit die Geschichte antreibt. Mertens erzählt rau, intensiv und mit grosser atmosphärischer Dichte.

Katja Früh — «Vielleicht ist die Liebe so»
Mit trockenem Humor und grosser emotionaler Präzision schildert Katja Früh eine Familie im Ausnahmezustand: Eine Mutter kündigt ihr eigenes Ableben an, während die Tochter ohnehin mit dem Leben ringt. Der Roman bewegt sich zwischen Tragik und Komik und stellt die Frage, was Familie wirklich bedeutet. (2025, Diogenes Verlag)

Katinka Ruffieux — «Zu wenig vom Guten»
Ruffieux erzählt von Herkunft, Migration und dem Wunsch nach Zugehörigkeit. Die Ich-Erzählerin mit ungarischen Wurzeln wächst in prekären Verhältnissen auf; als ihre Schwester verschwindet, wird die Suche nach ihr zu einer Reise in die eigene Vergangenheit. Ein vielschichtiger Roman über Identität und Erinnerung (2025, Arche Literatur Verlag)