Das Kunst Museum Winterthur bringt mit der neuen Ausstellung «Tout est lumière» sonnendurchflutete Meisterwerke zusammen – Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen – von Cézanne bis Matisse, in denen sich im Geiste van Goghs die Sinne schärfen und das künstlerische Denken klärt. Die Ausstellung wurde von Konrad Bitterli, Andrea Lutz und David Schmidhauser kuratiert.
«Tout est lumière» holt den Süden ins Museum
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«Im Süden werden die Sinne geschärft. Die Hände werden wendiger, das Auge aufmerksamer und das Denken klarer.»
Vincent van Gogh
Die Entdeckung der Côte d’Azur
Ende des 18. Jahrhunderts setzt die touristische Entwicklung der heutigen Côte d’Azur ein mit der Reisebeschreibung von Tobias Smolletts «Travels through France and Italy». Darin schildert der englische Schriftsteller die Mittelmeerküste Frankreichs als ein Land, in dem das Licht heller als anderswo leuchtet, der Himmel gnädiger gestimmt ist und die Sonne öfter scheint. Das milde Winterklima lockte bald darauf die Adligen aus Grossbritannien, aber auch aus Deutschland und Russland nach Nizza, das sich zusammen mit seinem Umland zur Riviera wandelte. Entlang der Küste entstanden mondäne Hotels und Villenviertel, Parks wurden angelegt, tropische Pflanzen akklimatisiert. 1916 verbrachte Henri Matisse einen Kuraufenthalt in Medon und liess sich anschliessend im nahen Nizza nieder, wo er im Hotel Beau-Rivage logierte.
Matisse, Cezanne und van Gogh
Auch das Sammlerehepaar Hedy und Arthur Hahnloser verbrachte ab 1923 aufgrund von Hedys Gesundheitszustand die Winter im milden Süden, wo sie in regelmässigem Austausch mit ihren Künstlerfreunden Henri Matisse und Pierre Bonnard standen. Bereits die Vorgängergeneration hatte den Süden entdeckt: Paul Cezanne, geboren in Aix-en-Provence, kehrte nach seinem Pariser Aufenthalt in seine Heimat zurück und widmete sich fortan der südlichen Landschaft. Darin gelang ihm die Überwindung der impressionistischen Malweise zugunsten einer flächig organisierten Darstellung «parallel zur Natur». 1888 blieb Vincent van Gogh auf der Reise in den Süden in Arles hängen, wo er seinen langgehegten Traum, ein Atelier des Südens als Künstlerkolonie zu begründen, verwirklichen wollte. Die Idee scheiterte; entstanden sind indes unzählige Gemälde von gleissenden Landschaften, mit denen er sich in die Kunstgeschichte einschrieb.
(Textgrundlage: Kunst Museum Winterthur)
