Der «Salon der Gegenwart», eine lose Künstlergruppe figurativ arbeitender Kunstschaffender, trifft im Sommer 2026 in der Zentralschweiz auf das Werk von Hans Erni. An vier Orten - untet dem Lead des Hans Erni Museums - wird sichtbar, dass gegenständliche Malerei keineswegs ein nostalgisches Relikt ist, sondern eine vitale, vielstimmige Gegenwartssprache.
Salon der Gegenwart — Figurative Malerei im Dialog mit Hans Erni
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Vier Institutionen rund um den Vierwaldstättersee zeigen gemeinsam die Aktualität gegenständlicher Kunst.
Das Projekt «Salon der Gegenwart» erweist sich nicht nur als Überblick über figurative Malerei der Schweiz, sondern als vielschichtige Reflexion darüber, wie wir Räume wahrnehmen, bewohnen und erinnern. Begleitet wird die Ausstellung von einer Publikation und einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm — ein Sommerprojekt, das die Region kulturell vernetzt und zugleich eine zentrale Frage stellt: Wie gegenwärtig kann Gegenständlichkeit heute sein?
Ein Netzwerk rund um den See
AKKU Emmenbrücke, Galerie Stans, Talmuseum Engelberg und das Hans Erni Museum Luzern bündeln ihre Kräfte für ein gemeinsames Ausstellungsprojekt — ein seltenes Beispiel regionaler Kooperation mit überregionaler Strahlkraft. Insgesamt 15 Künstler:innen präsentieren Werke an allen vier Standorten, jeweils unter unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten. Der «Salon der Gegenwart», 2014 von Giampaolo Russo gegründet, versteht sich nicht als starre Gruppe, sondern als offenes Netzwerk figurativer Positionen. Dass sechs der eingeladenen Kunstschaffenden aus der Zentralschweiz stammen, verankert das Projekt zugleich lokal und erweitert es in den nationalen Kontext.
Hans Erni neu gelesen
Für das Hans Erni Museum besitzt die Ausstellung eine besondere Bedeutung. Als einem einzelnen Künstler gewidmete Institution muss es sein Programm kontinuierlich erneuern, um relevant zu bleiben. Gleichzeitig erlaubt die Begegnung mit zeitgenössischer figurativer Kunst eine Neubewertung von Ernis Werk. Erni wandte sich in den 1940er-Jahren bewusst der Gegenständlichkeit zu — ein Schritt, der ihm lange den Vorwurf einbrachte, hinter die Avantgarde zurückzufallen. Heute wirkt diese Entscheidung eher vorausschauend. Spätestens seit der Postmoderne hat sich gezeigt, dass abstrakte Kunst nicht der alleinige «Königsweg» der Moderne war. Die figurative Malerei behauptet heute selbstbewusst ihren Platz neben Fotografie, Video, Performance und Konzeptkunst. An diesem Punkt setzt die Ausstellung an.
Innen und Aussen — ein Thema, viele Perspektiven
Im Hans Erni Museum steht die Schau unter dem Leitmotiv «Innen und Aussen». Dieses Spannungsfeld reicht vom Blick aus dem Fenster bis zur Darstellung von Körperräumen oder architektonischen Strukturen. Miranda Fierz erweitert in einem grossformatigen Werk das Bild installativ über seine Grenzen hinaus in den Raum. Corinne Güdemann untersucht die spiegelnde Oberfläche von Glasvitrinen, in denen wiederum glänzende Rüstungen ausgestellt sind — ein Spiel aus Reflexion und Verdopplung. Rosina Kuhn greift gestisch barocke Deckenmalereien auf, während Irene Bisang zeigt, wie Licht von aussen Innenräume formt. Auch posthum vertretene Positionen wie Andrea Muheim thematisieren den Übergang zwischen domestizierter Natur und gebauter Umgebung, etwa in Stillleben mit Blumen vor Fenstern. Giampaolo Russo wiederum schildert verlassene Häuser in Süditalien, in denen Architektur und wuchernde Vegetation ineinander übergehen — Sinnbilder einer Welt im Wandel.
