Das Zeughaus Teufen zeigt die erste Einzelausstellung von Kris Lüdi. Im Zentrum stehen fotografische und filmische Arbeiten, die den Brauch rauchender Kinder an der Appenzeller Viehschau dokumentieren und in einen grösseren Kontext von Arbeitsethos, Anerkennung und kultureller Prägung stellen. Grundlage der Ausstellung bildet ein Buch, erschienen in der Edition Patrick Frey.
Rauchende Kinder an der Appenzeller Viehschau: Kris Lüdis erste Einzelausstellung im Zeughaus Teufen
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Mit «SMOKE AND GRIND» widmet sich der Künstler einem ebenso irritierenden wie traditionsreichen Brauch – Primarschülern mit Stumpen im Festgetümmel.
Kris Lüdi (*1989) hat sich in den letzten Jahren einen Namen als einer der visuell spannendsten Geschichtenerzähler der Schweiz gemacht. Seine Arbeiten wurden international ausgezeichnet und zeichnen sich durch ein feines Gespür für Rhythmus, Licht und menschliche Emotionen aus. Mit «SMOKE AND GRIND» kehrt er zu seinen Wurzeln zurück und verbindet persönliche Beobachtungen mit universellen Fragen nach Identität und Präsenz.
SMOKE: Rauchen als Zeichen von Zugehörigkeit
Ausgangspunkt der Ausstellung ist Lüdis fotografische Serie «SMOKE». Sie zeigt Kinder und Jugendliche im Umfeld der Appenzeller Viehschauen, die selbstverständlich Stumpen oder «Krumme» rauchen – Bilder, die ausserhalb der Region schnell irritieren. Innerhalb der lokalen Tradition jedoch besitzt dieses Verhalten eine andere Bedeutung: Wer früh Verantwortung in der Landwirtschaft übernimmt und aktiv mitarbeitet, wird symbolisch in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen. Lüdi begegnet diesem kulturellen Phänomen mit grosser Nähe und ohne moralische Wertung. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Dokumentation und persönlicher Erinnerung, denn der Künstler kennt das Appenzell aus eigener Kindheitserfahrung. Dadurch entstehen Bilder, die weniger provozieren als vielmehr ein Verständnis für soziale Rituale und regionale Identität eröffnen.
GRIND: Der Rhythmus der Arbeit
Mit der Filminstallation «MORE FUN LESS GRIND» erweitert Lüdi seine fotografische Recherche um eine audiovisuelle Ebene. Im Zentrum steht hier das unermüdliche Arbeiten selbst: Maschinen, Bewegungen und wiederkehrende Abläufe verdichten sich zu einer beinahe meditativen Erfahrung. Besonders prägend ist die akustische Dimension, deren rhythmisches Dröhnen an das «Gradhäbe» eines Zäuerli erinnert und technische Geräusche mit archaischer Klangtradition verbindet. So wird «SMOKE AND GRIND» zu einer vielschichtigen Reflexion über Arbeit, Anerkennung und kulturelle Prägung. Die Ausstellung macht sichtbar, wie eng Vorstellungen von Erwachsensein, Verantwortung und Gemeinschaft miteinander verwoben sind – und wie unterschiedlich Tradition gelesen wird, je nachdem, ob man Teil davon ist oder von aussen darauf blickt.
