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Nidwaldner Museum | Hausbesetzung

13 verschiedene Positionen, wie man ein mit Geschichte besetztes Haus mit Geschichten besetzen kann. Sehr erlebenswert!

Dreizehn Künstlerinnen haben sich über mehrere Wochen mit den Räumen des altehrwürdigen Hauses in Stans auseinander gesetzt. Dies tun sie nicht zum ersten Mal. Vor 10 Jahren stellten die gleichen Künstlerinnen auf Einladung des Frauenforums bereits im Salzmagazin aus. Nun hat das Nidwaldner Museum sie eingeladen, in einer regulären Museumsausstellung ihre Entwicklung zu zeigen. Unter der Kuration von Brigit Kämpfen-Klapproth ist eine spannende Ausstellung entstanden.

Kein White Cube
Das Winkelriedhaus ist alles andere als der für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst bevorzugte White Cube. Über Jahrhunderte bewohnt, ist es heute ein Spiegel gelebter Geschichte. Viele seiner Räume sind mit Täfer gefasst, teilweise mit ornamentaler Übermalung. Einige sind religiös besetzt und in anderen erzählen Wandmalereien Geschichten von ehemaligen Hausbewohnern. Diese begegnen uns da und dort auf Porträts. Ein paar wenige Zimmer beherbergen sogar noch Ausstellungsteile zur häuslichen Kultur oder religiösen Volkskunst. Die 13 Künstlerinnen stellten sich mit Lust und Respekt dieser Herausforderung. Als Vorteil erwies sich dabei die Tatsache, dass das Winkelriedhaus bereits zwei Monate vor Ausstellungseröffnung frei war. Viele nutzten diese Zeit, um sich mit dem Ausstellungsort auseinanderzusetzen. Ihre Arbeiten reiften direkt in Räumen. Es entstanden Rauminstallationen, brandneue Schöpfungen, welche die Architektur, die Geschichte, das Dekor oder die Bilderwelt des Hauses als Ausgangspunkt haben. Nach und nach wurde das ganze Haus in Besitz genommen. Die Frauen nisteten sich regelrecht in dessen Räumen ein, um sie künstlerisch zu verwandeln. Auch die permanenten Ausstellungsteile blieben nicht von ihrer Einmischung verschont. In dieser Vorbereitungsphase entstand der Ausstellungstitel «Hausbesetzung».

Nicht nur Rauminstallationen
Die Besetzerinnen machen mit ihren Installationen und Interventionen auf das Haus aufmerksam und lassen es selber zum Ausstellungsobjekt werden, indem sie es zwingen – spielerisch, poetisch, tiefgründig – sowohl seine Erinnerungen und sein Wesen Preis zu geben als auch neue Interpretationen und Perspektiven zuzulassen. Da die Ausstellung das aktuelle Schaffen der Künstlerinnen repräsentieren soll, liegt es auf der Hand, dass nicht alle sich für Raumarbeiten entschieden; aber alle haben Lösungen gefunden, ihre Arbeiten so zu konzipieren oder auszuwählen, dass sie sich wie selbstverständlich in die ausgewählten Räume einfügen und mit diesen zusammen ihre eigene Geschichte erzählen.

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