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Museum Langmatt | Norbert Bisky – Fernwärme

In seiner ersten museale Einzelausstellung in der Schweiz thematisiert Bisky seine eigene Homosexualiät und jene innerhalb der BBC Gründerfamilie.

Anhand des sensiblen gesellschaftlichen Themenspektrums Familie bietet «Fernwärme» einen konzentrierten Einblick in Biskys Malerei der letzten zehn Jahre und präsentiert zahlreiche neue Werke, die eigens für Baden entstanden sind. Ausgangspunkt hierfür waren historische Fotos der Familie Brown aus dem Archiv des Museums. In der Familiengeschichte der Browns, die 1900 als eine der Gründerfamilien der BBC (heutige ABB) die Langmatt errichten liessen, erkennt Norbert Bisky seine eigene wieder.

Trügerische Idylle
Norbert Biskys Bilder zeigen überhelle Darstellungen von zumeist jungen Männern in freier Natur, ein scheinbar heroisches Idyll, das sich jedoch bereits auf den zweiten Blick in Frage stellt. Gleissendes Licht zehrt an der Physis der Figuren, frisst Löcher in Körper und Köpfe, lässt ihre Individualität schrumpfen und hinter maskenhaften Gesichtern verschwinden. Die scheinbaren Helden in ihren selbstbewussten Posen lösen sich in Luft und Licht auf. Ihr offensiver Auftritt in der Natur und ihre tollkühnen Flüge am Himmel wecken die Sehnsucht nach einer reinen, unschuldigen Welt. Die nackten Oberkörper spiegeln den Körperkult und die eitle Selbstverliebtheit unserer Epoche, ohne dass die Bilder moralisierende Botschaften vermitteln. Kaum ins rechte Licht gerückt, zerspringen die Figuren in Fragmente und Partikel. Beunruhigend ungewiss bleibt, ob die Dargestellten heitere Luftsprünge vollführen oder Opfer von Anschlägen sind, abrupt aus ihrem banalen Alltag gerissen, ihr plötzliches Ende erschrocken vor Augen.

Ein Hauch Impressionismus
Die von Licht und Bewegung erfüllte Malerei Norbert Biskys zeigt eine interessante thematische Parallele zu zentralen Motiven des französischen Impressionismus, der mit herausragenden Werken von Paul Cézanne, Camille Pissarro, Pierre-Auguste Renoir u.a. in der Sammlung des Museums Langmatt vertreten ist. Licht und Bewegung waren die grossen Themen der Vorkämpfer der Moderne. Immer wieder neu faszinierte sie das Paradox, das allzu Flüchtige im unbewegten Medium der Malerei einzufangen. Die Ausstellung von Norbert Bisky vermittelt, wie virulent diese Themen heute noch sind, wenngleich sie in seiner Malerei wesentlich existentieller und explosiver in Erscheinung treten. Zeitgleich präsentiert die Ausstellung Gegenlicht – Meisterwerke des französischen Impressionismus ausgewählte Werke aus der Sammlung des Museums Langmatt.

Schwul und Nazi
Die Kritik an Biskys Bildwelten, die eine Nähe zur Ästhetik Leni Riefenstahls und damit zur NS-Kunst konstatiert, weist Bisky vehement von sich. So äusserte er in einem Interview, er habe mit dieser «Nazi-Scheiße […] nichts zu tun.» In einem anderen Interview führte er aus: «Ich bin schwul, ich stamme von Kommunisten ab – ich bin, glaube ich, der erste, den man sofort an der Laterne aufhängen würde, ich bin deshalb auch der erste, der sich ganz klar gegen Nazis und gegen Rechts und alles, was da so an ekelhaftem Zeugs so rumkriecht, äussert und sagt, damit habe ich nichts zu tun.» Eine andere Lesart von Biskys Stil sieht eher eine Orientierung am sozialistischen Realismus.Der Künstler selbst verweist darauf, dass er Elemente in seinen Bildern verarbeite, mit denen er in der damaligen DDR gross geworden sei. «Das war der sozialistische Realismus und das war die Malerei der Russen.»

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