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Museum im Lagerhaus | Prinzhorns Schweizer / Karl Maximilian Würtenberger

Die Sammlung Prinzhorn ist ein einmaliger Fundus künstlerischer Arbeiten aus psychiatrischen Kliniken, mit rund 6000 Werken.

Hans Prinzhorn sammelte Kunstwerke von Patienten psychiatrischer Anstalten. Mit der Ausstellung wird die Historie der berühmten Sammlung Prinzhorn zum ersten Mal als Teil der Schweizer Geschichte der Art Brut formuliert. Besonders spannend ist dabei der Einfluss, den diese Arbeiten auf wichtige Künstler*innen des 20. Jahrhunderts hatte.

Museum für pathologische Kunst
Dem Aufruf Hans Prinzhorns folgend, schicken psychiatrische Anstalten des gesamten deutschsprachigen Raumes zwischen 1919 und 1922 künstlerische Patientenarbeiten zu Hans Prinzhorn an die Heidelberger Psychiatrische Klinik für ein geplantes «Museum für pathologische Kunst». Auch aus den Schweizer Anstalten gelangen Werke nach Heidelberg. Manche der Schweizer «Anstaltskünstler*innen» haben inzwischen internationale Berühmtheit erlangt und andere Künstler*innen beeinflusst. Neben Adolf Wölfli ist Heinrich Anton Müller zu nennen, ohne dessen Maschinenträume in der Anstalt Münsingen die Maschinenkunst Jean Tinguelys nicht denkbar wäre. Auch Daniel Spoerri, durch den Tinguely Müller entdeckt hat, würdigt ihn, während sich Bernhard Luginbühl wiederum auf Wölfli bezieht. Von massiven Ängsten bedroht, hält sich der deutsche Maler Ernst Ludwig Kirchner 1917/18 im Privatsanatorium Bellevue in Kreuzlingen auf. Dort zeigt ihm der Psychiater Ludwig Binswanger Gemälde der Patientin Else Blankenhorn. Für Kirchner sind sie „Kunstwerke höchster Art“, die ihn neu inspirieren.

Art Brut aus der gesamten Schweiz
Von allen 22 Künstler*innen aus Schweizer Anstalten sind Werke ausgestellt. Sie kommen aus Herisau, Kreuzlingen, Münsingen, Münsterlingen, Neuchâtel, der Rheinau, Schaffhausen, der Waldau bei Bern, Wil und Zürich – quer durch die ganze Schweiz. Darunter lassen sich auch noch unbekannte Werke entdecken. Es fällt auf, dass insbesondere die psychiatrischen Einrichtungen der Ostschweiz rege dem Ruf aus Heidelberg gefolgt sind und viele Arbeiten geschickt haben. Mit sieben Künstler*innen sticht die Kantonale Psychiatrische Klinik Herisau AR hier stark hervor.
Eine besondere Würdigung erhält der Plastiker vom Bodensee, Karl Maximilian Würtenberger (1872–1933) aus Emmishofen TG. Noch nie wurde sein keramisches Werk seinen Zeichnungen gegenübergestellt, die in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau bei Achern entstanden und heute ebenfalls in der Sammlung Prinzhorn aufbewahrt sind. Sie belegen, dass der für die Öffentlichkeit „lebendig Begrabene“ auch in der Anstalt durchgehend künstlerisch gearbeitet hat – nicht nur zeichnerisch, sondern auch keramisch. Tatsächlich ist zu vermuten, dass bis heute nicht verortete Arbeiten in der Illenau geschaffen wurden.

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