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Museum im Bellpark | UN BEKANNT - Porträts von Andri Pol

Alle kennen seine Bilder und er gehört zu den wichtigsten Fotografen der Schweiz.

Andri Pols Bilder sind so anders als all das, was in den Printmedien davor abgedruckt wurde. Sie sind bemerkenswert farbig, sind kühn in der Inszenierung, oft erfrischend witzig, und sie hinterfragen kritisch und doch respektvoll die Selbstdarstellung der Schweiz und ihrer Repräsentant*innen. So hat er in Zusammenarbeit mit Journalist*innen Ende der Neunzigerjahre eine Bildsprache etabliert, die die Reportagefotografie grundlegend veränderte und bis heute nachhaltig prägt.

Andri Pol, geboren 1961 in Bern, arbeitet seit 1989 als freier Fotograf. Ausgebildet an der Schule für Gestaltung in Luzern bezeichnet er sich im Bereich der Fotografie als Autodidakt. Er vertiefte seine Kenntnisse im Bereich der Fotografie an dem Royal Collage of Art, Departement Photography, in London (1992-1993). Pol war Fotograf und Bildeditor für GEO Schweiz (2001-2016). Er arbeitete ausserdem als redaktioneller Mitarbeiter für «Das Magazin» (2001-2002) und für das UBS Magazine (2000-2002). Pol arbeitete über mehrere Jahre laufende Kolumnen für verschiedene Printmedien. Er unterrichtet immer wieder am MAZ – Die Schweizer Journalistenschule in Luzern. Seine Bilder wurden im Stern, ZEIT Magazin, SZ Magazin, NEON und vielen anderen veröffentlicht. Er publizierte mehrere Bücher darunter «Grüezi – Heidiland», «Where is Japan» und «Inside CERN». Andri Pol wurde unter anderem als «Photographer of the Year 2017»durch die Swiss Photo Acadamy ausgezeichnet.

Bilder der Schweizer Prominenz

Für die Ausstellung, die Pol eigens für das Museum im Bellpark konzipiert, stellt er das Porträt in den Mittelpunkt. Das Porträt gehört bis heute zu den bedeutendsten Auftragsfeldern von Pols Fotografie. An dieser Gattung lassen sich die besondere Kreativität, die Neuausrichtung der Arbeitsweise und die Lust der Bildgestaltung modellhaft darlegen. Pol ist ein Meister der Interaktion, der nie die korrekte Pose sucht, sondern vielmehr seine Bilder situativ und prozesshaft entwickelt. Seine Porträts sind stets mit dem Prozess einer Begegnung verbunden. Unvergessen sind seine Bilder aus der Kolumne «Ein Tage im Leben von …», die Bilder der Schweizer Prominenz, die er im Auftrag der Schweizer Nationalbibliothek fotografiert hat, oder auch seine Porträts von den führenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Kultur. Dabei reflektiert und hinterfragt Andri Pol mit seinen Bildern die Rolle sowie die Bildcodes, welche der öffentlichen Figur einer Person zugeordnet werden.

Reportagefotografie

Die Ausstellung zeigt gleichzeitig Bilder, welche das Porträt im Kontext der Reportage verankern. Es ist eine Ausweitung der Aufgabe Porträt im engeren Sinn, ist aber doch bezeichnend für die Arbeitsweise von Andri Pol. Weil ihn gerade auch das Bildnis des Menschen in seiner Umgebung, in seinem Habitat stets interessiert. So gibt er mit der Ausstellung erstmals einen umfangreichen Einblick in seine Dokumentation über die chinesische Kunstszene, die mit einem Auftrag des Du Magazins um 2012 gestartet wurde, für Andri Pol jedoch zu einem erweiterten Projekt sich entwickelte. Als Reportage mit einem Fokus auf das Porträt ist auch die Reportage über Albinos in der Gegend rund um Mwanza am Victoriasee in Tansania. Porträts von Personen, die aufgrund der behaupteten magischen Wirkung ihrer Haut und Knochen gejagt und getötet werden. Die Arbeit von Andri Pol lässt sich also nicht auf die Schweiz reduzieren. Viele Reportagen sind in den unterschiedlichen Weltgegenden entstanden und werden bis heute in internationalen Printmedien publiziert. Pol gehört nach wie vor weltweit zu den gefragten Fotografen und er publiziert international in den führenden Magazinen. Seit rund zwei Jahren und verstärkt noch durch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie arbeitet Andri Pol wiederholt und intensiv an der Aufarbeitung seines Archivs.

24 Knechte, 5 Bauern und 1 Hirt

Die Ausstellung profitiert von diesem Zurückschauen in seine Arbeit, so sind mit den Bildern von Knechten und Mägden in der Ausstellung bisher kaum gezeigte Arbeiten aus seinem Frühwerk zu sehen. Eine fotografische Dokumentation, die noch in Schwarzweiss gehalten ist und in der sich der Fotograf zwischen 1990 und 1994 mit dem Land, in dem er wohnte, auseinandergesetzt hat, um es in all seinen Facetten besser zu verstehen. Im Rahmen der Ausstellung publiziert Andri Pol in Zusammenarbeit mit dem Grafiker Alberto Vieceli ein Buch, das sich diesen frühen Bildern widmet. Sie trägt den Titel «24 Knechte, 5 Bauern und 1 Hirt» und erscheint beim Verlag everyedition. Eine kleine Entdeckung. Das Buch ist in der Ausstellung greifbar. Die Ausstellung bietet ausserdem ein reiches Rahmenprogramm mit Veranstaltungen und Diskussionen an, das die Frage um das Porträtieren und porträtiert werden, die Veränderung des medialen Bildes des Menschen sowie das Gesicht als Aufmerksamkeitsmaschine thematisiert.

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