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migrosmuseum | Displaced Fractures

«Displaced Fractures» im migrosmuseum zeigt Körper und Architektur in einer spannungsreichen Stellvertreterbeziehung. Eine Gruppenausstellung mit «brüchigen» Installationen, Rauminterventionen und Skulpturen.

Displaced Fractures – Ein Begriff aus der Medizin
Die Kunst besitzt seit je ein Sensorium für das Brüchige, Poröse und Fragile des Menschen. Die Bruchlinien des Menschlichen werden in dieser Gruppenausstellung jedoch nicht direkt am Körper verhandelt, sondern an stellvertretenden Architekturen. Die Frakturen und Nahtstellen von Gebäuden bilden Metaphern für die Risse im menschlichen Dasein. Der titelgebende Begriff «Displaced Fractures» entstammt der Medizin und bezeichnet das Phänomen, dass sich Bruchstellen von Knochen an anderer Stelle als an derjenigen der Hauptbelastung zeigen. Auch in der Psychologie gibt es den Begriff des «displacement». In den neuen Räumen des migros museum für gegenwartskunst sind vor allem Installationen, Rauminterventionen und Skulpturen zu sehen, die mit dieser Verschiebung der Symptome arbeiten. Es dominiert dabei ein Spannungsfeld zwischen formverweigernden und monumentalen Gestaltungen, zwischen subjektiven und rational-formalen Gesten.

Lebloses Material als Methapher des Körpers
In dieser Analogie zum Begriff «Displaced Fractures» bieten die an sich stabilen, jedoch auch der Zeitlichkeit unterworfenen Materialien des Bauens Projektionsflächen, auf denen sich Befindlichkeiten und Fragen nach dem Dasein ausagieren lassen. In der Übertragung auf das vermeintlich Feste zeigt sich in diesem Skulpturendiskurs das Prekäre der Gegenwart und wird greifbar. Das Formlose, welches schon bei Rosalind Krauss und Yves Alain Bois als Synonym des Verdrängten verwendet wurde, wird in der Ausstellung beispielsweise von den Künstlern Klaus Winichner oder Phyllida Barlow in Material und Form ausgearbeitet. Dabei wird – wie bei Oscar Tuazon und Kilian Rüthemann – nicht Entfremdung thematisiert, sondern über Modulationen des Gebauten die Unmöglichkeit angesprochen, Bruchstellen und widerspenstige Lebensfähigkeit zum Ausdruck zu bringen. Lebloses Material wird zur Metapher des Körpers, wie es Klara Lidéns Werk vorführt – sei es im vorsichtigen Aufbau oder im spontanen Zerfall.

Dynamischer Einsatz von Farben
Die Werke zeigen die Strukturen des Architektonischen genauso wie die Spuren des Persönlichen. Es sind präzise Haltungen, in denen sich die formale Zuspitzung, wie sie Emilie Ding mit ihren Stützkonstruktionen aus Beton oder Ulrich Rückriem in seinen Steinquadern zeigen, konkretisiert. Besonders der dynamische Einsatz von Farben und das Benutzen freier Formen prägen die subjektiven Eingriffe. Sie bezeugen die Anwesenheit des Menschlichen, um letztlich durch die freie und trotzige Handhabe die Verletzlichkeit der Jetztzeit und der Erinnerung anzudeuten.

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