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Michel Ziegler | «Mundaun» - Ein urschweizerisches Computerspiel

Der St.Galler Michel Ziegler ist dabei, ein Computergame zu schaffen, das die Schweizer Alpenwelt auf bisher kaum gesehene Art in Szene setzt.

Durch Bergwiesen streifen, Schlittenfahren, Inschriften entziffern. Dies und viel mehr ist möglich im handgezeichneten Computerspiel «Mundaun». Michel Ziegler ist dabei eine Ode an die Schweizer Berg- und Mythenwelt zu schaffen, bei der die Gesetze von Zeit und Realität verschoben werden. Das Spiel erscheint im Frühsommer 2018.

Ein Heimatgame?
Die Schweiz und die Alpen sind bis jetzt im Medium Computerspiel unter- oder gar nicht vertreten. Aus der Geschichte und Kultur unserer Bergregionen, aus Landschaften, Sagen und Bräuchen lässt sich eine sehr interessante und eigenwillige Spielwelt ableiten. Wenn man durch ein Bergdorf läuft, gibt es fast an jeder Ecke eine Malerei auf einer Hauswand oder eine merkwürdige Gusseisenfigur an einem Brunnenrohr. Lauter Zeichen, welche vielleicht auf eine Welt jenseits der idyllischen Fassade hinweisen. «Mundaun» versucht einer in Worten schwer zu fassenden Stimmung Form zu geben und sie in ein interaktives Spielerlebnis umzusetzen. «Mundaun» verwischt die Grenzen von Gegenwart und Vergangenheit, Alltäglichem und Mythischem. Es soll ein urschweizerisches Computerspiel, im besten Sinne des Wortes, werden. Ein Spiel mit getarnten Bunkern hinter Chaletfassaden, Sesselliften, alten Holz- und Steinbrücken und weissen Kapellen. Ein Computerspiel wie es nur hier erdacht und umgesetzt werden kann.

Gestalterischer Prozess
Ein einzigartiger Aspekt von «Mundaun» ist die Kombination von handgemachten Bleistiftzeichnungen und 3D Computergrafik. Im Gegensatz zu Michel Zieglers Arbeitsweise ist der klassische Prozess zur Herstellung eines 3D-Modells rein digital. Das heisst, das 3D-Modell wird am Computer erstellt, ebenso die Grafiken, welche Oberflächen abdecken. Zieglers Prozess macht einen Umweg über die Handzeichnung, wodurch die Oberflächen eine zeichnerische Umsetzung erfahren und so einen lebendigen und individuellen Charakter erhalten. Zudem muss insbesondere bei gewölbten Körpern im Kopf, während der Zeichnung, eine ungefähre Projektion auf das Ziel-3D-Modell stattfinden. Erst nach der Digitalisierung kann die Zeichnung am 3D-Modell, und somit das Endprodukt, betrachtet werden.

Die Spielidee
Nach der Nachricht des plötzlichen Todes seines Grossvaters, macht Curdin den Aufstieg in dessen Bergheimat. Er findet eine Welt voller urtümlicher Schönheit, scheinbar unberührt von der Zeit.
Doch die Idylle trügt. Seltsame Wesen streifen um die jahrhundertealten Häuser und Ställe und die Bergler scheinen noch eigenartiger als sonst. Der Spieler kann nun in diese Welt eintauchen und ihre Geheimnisse nach und nach ergründen. Dies geschieht über das Sammeln von Hinweisen in der Landschaft und durch Gespräche mit den wenigen Einheimischen, welche er noch vorfindet. Überall sind Rätsel anzutreffen, deren Lösung dem Spieler weitere Bereiche der Welt zugänglich machen. Im Verlauf durchquert der Spieler landschaftlich und inhaltlich distinktive «Levels». Diese sind grosszügig gestaltet und können frei erkundet werden. Während am Fuss des Berges die Wiesen blühen, trifft man weiter oben auf glitzernde Schneefelder. Dazu geht von den vorgefundenen Kreaturen eine gewisse Bedrohung aus. Figuren aus Heu schlurfen durch die Wiesen und ruhelose Soldaten patrouillieren immer noch die Bergübergänge. Diese müssen grösstenteils umgangen, überlistet oder mit Tricks wie Feuer oder Steinschlag ausgeschaltet werden. Die Tätigkeiten im Spiel sind vielseitig und von ihrer Umgebung inspiriert. Man fährt Schlitten über verwehte Hänge, sammelt geschnittenes Heu in einem Heulader, durchschreitet blühende Wiesen und erforscht die Winkel alter Häuser.

Der Macher
Michel Ziegler wurde 1982 in Uznach geboren, studierte Informatik an der Hochschule für Technik in Rapperswil und später Illustration Fiction an der Hochschule Luzern Design & Kunst. Sein Fokus ist die Entwicklung von Games ausserhalb der inhaltlichen und visuellen Norm. Des Weiteren zeichnet er Comics und malt Bilder.

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