Mit «THE PAINTING IS A DOOR» widmet das Museum Franz Gertsch dem niederländischen Maler Robert Zandvliet eine konzentrierte Einzelausstellung, die Malerei als Erfahrungsraum begreift: als Ort, an dem Gegenstände zerfallen, Wahrnehmung ins Gleiten gerät und Bilder zu offenen Situationen werden statt zu klaren Aussagen. Über 30 Werke der letzten 15 Jahre zeigen einen Künstler, der konsequent zwischen Figuration und Abstraktion arbeitet — und in diesem Dazwischen seine stärkste Wirkung entfaltet.
Malerei als Schwelle — Robert Zandvliet im Museum Franz Gertsch
Vom Stein zum Bild
Im Zentrum steht die Serie «Seven Stones» (2014), die erstmals ausserhalb der Niederlande zu sehen ist. Ausgangspunkt sind reale Steine, doch Zandvliet interessiert nicht ihre naturgetreue Wiedergabe, sondern ihre Transformation im Malprozess. Formen lösen sich, Konturen verschwimmen, Farbflächen beginnen ein Eigenleben zu führen. Was bleibt, ist nicht das Objekt, sondern eine visuelle Erinnerung daran — ein Bild, das gleichzeitig konkret und ungreifbar wirkt. Die stark reduzierte Farbpalette verstärkt diese Konzentration: Jeder wird sichtbar, jede Entscheidung nachvollziehbar. So wird Malerei selbst zum eigentlichen Thema.
Ordnung, Paradies und Kontrollverlust
Den Gegenpol bildet die jüngste Werkgruppe «Paradaidha». Der Begriff bezeichnet ursprünglich einen ummauerten Garten — den Ursprung unseres Wortes «Paradies». Doch auch hier geht es nicht um idyllische Naturdarstellungen, sondern um das Spannungsfeld zwischen Struktur und spontaner Geste. Zandvliets grossformatige Leinwände wirken zugleich kalkuliert und impulsiv. Linien scheinen gesetzt, nur um im nächsten Moment wieder unterlaufen zu werden; Flächen kippen zwischen Tiefe und Oberfläche. Dadurch entsteht eine Malerei, die nicht abgeschlossen wirkt, sondern im Moment der Betrachtung weiterarbeitet — als würde das Bild erst im Auge des Publikums vollendet.
