Zwischen Zimmerberg und Zürichsee entstand in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein bemerkenswerter künstlerischer Mikrokosmos. Zahlreiche bedeutende Kunstschaffende wählten die Region bewusst als Rückzugs-, Lebens- und Arbeitsort — angezogen von Landschaft, Licht, Nähe zur Stadt Zürich und einer inspirierenden kulturellen Atmosphäre. Die Kunststiftung Zürichsee sorgt heute dafür, dass dieses reiche Erbe nicht in Vergessenheit gerät.
Kunststiftung Zürichsee — Hüterin eines kulturellen Gedächtnisses
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Rund 150 Kunstschaffende, eine einzigartige Sammlung und ein Ausstellungsort in Horgen direkt am See
Sammeln, bewahren, sichtbar machen
Aus dem Wunsch heraus, das regionale Kunstschaffen historisch zu dokumentieren und langfristig zu sichern, gründeten engagierte Kunstfreunde im Jahr 1990 die gemeinnützige Stiftung «Künstler vom Zimmerberg und Zürichsee» mit Sitz in Horgen. 2016 wurde sie in «Kunststiftung Zürichsee» umbenannt und ihr Wirkungsbereich auf die gesamte Region rund um den See ausgeweitet. Im Zentrum steht seither der Aufbau eines repräsentativen Bestandes an Werken regionaler Kunstschaffender. Die Stiftung sammelt, inventarisiert und erforscht diese Arbeiten, stellt biografische Zusammenhänge her, sorgt für ihre konservatorische Betreuung und macht sie durch eine jährliche Ausstellungen der Öffentlichkeit zugänglich. Die Sammlung umfasst mittlerweile Werke von rund 150 Künstler:innen und präsentiert damit ein eindrückliches Panorama regionaler Kunstgeschichte.
Kunstfrühling am See: Begegnungsort für Generationen
Ein wichtiger Pfeiler der Vermittlungsarbeit ist die jährliche Ausstellung «Kunstfrühling am See», die seit 1999 jeweils in der Villa Seerose in Horgen stattfindet. Die Gemeinde stellt der Stiftung nicht nur die historischen Räume kostenlos zur Verfügung, sondern unterstützt die Veranstaltung auch finanziell und logistisch. Die Präsentationen verbinden Werke aus dem Stiftungsbestand mit Positionen der Gegenwartskunst und schaffen so einen Dialog zwischen den Generationen. Begleitprogramme mit Konzerten, Lesungen oder Performances öffnen den Anlass zusätzlich für ein breites Publikum und machen die Villa Seerose zu einem lebendigen kulturellen Treffpunkt am Zürichsee.
Regionale Kunst als kulturelles Gedächtnis
Die Arbeit der Kunststiftung Zürichsee geht weit über das reine Sammeln hinaus. Sie erschliesst Künstlernachlässe, betreibt Archivarbeit und stellt kunsthistorische Bezüge her — Tätigkeiten, die für das Verständnis regionaler Kulturgeschichte von unschätzbarem Wert sind, aber oft im Verborgenen bleiben. Finanziert werden diese Projekte vor allem durch Beiträge der öffentlichen Hand sowie private Zuwendungen und Stiftungen, darunter die Hildegard und Karl Isliker-Meier Stiftung sowie die Gottfried und Ursula Schäppi-Jecklin Stiftung. Ohne dieses Engagement wäre die kontinuierliche Sicherung des kulturellen Erbes kaum möglich.
Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Gleichzeitig versteht sich die Kunststiftung Zürichsee ausdrücklich als Plattform für das aktuelle Kunstschaffen der Region. In ihren Ausstellungen erhalten auch zeitgenössische Künstler:innen Gelegenheit, ihre Werke einem grösseren Publikum zu präsentieren. So entsteht ein lebendiger Austausch zwischen historischer Sammlung und gegenwärtiger künstlerischer Praxis. Gerade in einer Zeit, in der kulturelle Identität zunehmend globalisiert wird, zeigt die Stiftung exemplarisch, wie wichtig regionale Initiativen für die Bewahrung und Vermittlung von Kunst sind. Sie macht sichtbar, dass grosse Kunstgeschichte nicht nur in Metropolen entsteht, sondern auch in Landschaften, Ateliers und Gemeinschaften — dort, wo Kunstschaffende leben und arbeiten. Die Kunststiftung Zürichsee ist damit mehr als ein Sammlungsort: Sie ist ein kulturelles Gedächtnis der Region — und ein Ort, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kunst am See zusammenfinden.
