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Kunstmuseum Singen | Nature morte

Mit rund 80 Fine Art Prints gibt das Städtische Kunstmuseum Singen den Blick frei auf das photographische Paralleluniversum des Maler-Photographen Matthias Holländer.

Die Schau deckt nicht allein die Quellen des malerischen Werks von Matthias Holländer auf, sondern rückt – erstmals umfassend – einen ungewöhnlichen Photographen in den Fokus, der die analoge Photographie als “Zeichenblock” nutzt, ausgesuchte Negative und Dias digital bearbeitet und seine ausgearbeiteten Photographien auf edlen Papieren druckt, so dass sie sich in atmosphärisch dichte Graphiken mit verblüffenden Hell-Dunkel-Gradationen verwandeln.

Bereits 1996 beschrieb der Schriftsteller Adolf Muschg das eigentümliche Wechselspiel zwischen den Gattungen Malerei, Zeichnung und Photographie im Werk Matthias Holländers wie folgt: “Holländer ist keineswegs nebenbei Fotograf, er zeigt auch, dass er es ist, wenn er malt, aber er malt keine Fotografie. Ein Rückblick auf diese würde vielmehr erlauben, sie im Lichte des gemalten Bildes neu zu lesen – keine Version ist das Original, oder beide. Es sind Variationen einer von unterschiedlichen Medien gestützten Wahrnehmung.” Indem die Singener Ausstellung diesen Rückblick eröffnet und die Präsentation des photographischen Oeuvres um ca. 12 neuere, z.T. großformatige Gemälde ergänzt, ermöglicht sie den Besuchern, das Hin und Her zwischen den Gattungen eingehend zu beobachten.

NATURE MORTE: in diesem französischen Begriff für “Stillleben” schwingt die Vergänglichkeit des barockzeitlichen niederländischen “still leven” mit, welche der Maler-Photograph mit der ihm eigenen Bildsprache neu belebt. Seit 1979 durchstreift Matthias Holländer mit seiner Kamera die Naturalienkabinette und anatomischen Sammlungen der großen historischen Museen in Wien, Paris und New York. Was zunächst harmlos – als Recherche – beginnt, verwandelt sich rasch in die Erforschung einer still stehenden Welt voll rätselhafter Begegnungen, komplexer Strukturen und Bedeutungen, irritierender Spiegelungen und irrlichternder Reflexe, eines fein stofflich in menschenleeren Räume webenden Lichts. Nicht so sehr die Tiere und Präparate stehen hier im Mittelpunkt, sondern die großen, alten Fragen des Stilllebens: Wahrnehmung, Zeit und Wirklichkeit. “Im Schauen vergehen” – so hat Alissa Walser die Wirkung dieser Bilder auf die Betrachter charakterisiert.

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