Tafel zu «Orlando», erste Hälfte 20. Jh. | Leimfarbe auf Papier, 149 x 292 cm | Sammlung Würth, Künzelsau

Kunsthaus Zürich | Cantastorie

Ritter, Räuber, Zauberinnen – Volkskunst aus Süditalien

Das Kunsthaus Zürich präsentiert grossformatige Bildergeschichten aus Süditalien. Die rund 70 farbenprächtigen Tafeln, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, illustrieren die grossen Themen der Kultur: Mythologie, Schöpfung, Heldentum und Kampf – nicht nur zwischen den Geschlechtern. Diese Meisterwerke der Volkskunst, die zwei Puppenspieler-Familien als Werbeplakate für ihre Darbietungen dienten, sind erstmals in der Schweiz zu sehen.

Familienbetrieb
Die «Cantastorie» sind eine faszinierende Ansammlung von Bildern und Bildzyklen der süditalienischen Volkskunst. Lange Zeit waren sie im Besitz zweier Bänkellieder- und Puppenspielerfamilien in Foggia und Neapel. Achille Parisi, sein Sohn Rinaldo und zwei weitere Söhne haben die Szenerien mit Leimfarbe auf Papier gemalt. Entstanden in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts, vom Gebrauch abgerieben, gefaltet und zerschlissen, gerieten die Arbeiten, nachdem Kino und Fernsehen die Puppenspieltradition verdrängt hatten, in Vergessenheit.

Italienische Literatur
Das Kunsthaus Zürich widmet diesen bis zu 1,5 Meter hohen und 3 Meter breiten Werken die erste museale Ausstellung in der Schweiz. Schöne Prinzessinnen, heldenhafte Ritter, wildes Schlachtengetümmel, Fabeltiere und übernatürliche Erscheinungen feiern ein fröhlich-makabres Stelldichein. Kenner der italienischen Literatur mögen mit Orlando, Guido Santo, Dolores, Martuffo, Fioravante, Palmerino, Erminia della Stella, Gattamugliera, Gennaro Sorrentino und den Fischern von Pusillico bekannte Personen und Geschichten assoziieren. Doch den Puppenspielern von damals ging es um Unterhaltung. Marionettentheater war wie grosses Kino, der Bänkelliedergesang gleichsam eine Schlagerparade. Es reichte, wenn die Zuschauer eine Ahnung von den existenziellen Begebenheiten erhaschten – Ähnlichkeiten mit lebenden und historischen Persönlichkeiten waren dennoch (nicht) rein zufällig.

Die Ausstellung wird von einem Theater- und Konzertprogramm begleitet.

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