Kunst
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Kunsthalle Arbon | Sonja Lippuner

Beim Atelierbesuch zeigt die junge Künstlerin, wie sie ihre grossformatige Installation «orten» als erst Einzelausstellung realisiert hat.

Man mag sich wundern ob es Krater, Augen oder Steine sind, die mit grossen, wulstigen Ringen und bunten Bahnen umgeben in der riesigen Halle gen Himmel schauen. «orten» ist ein Werk, das ganz individuelle Assoziationen weckt. Die gebürtige Thurgauerin konnte ihre installative Malerei noch vor dem Lockdown fertigstellen, doch seitdem lag sie in der Kunsthalle Arbon brach. Fast hätte die Vergänglichkeit die temporäre Installation all zu früh erfasst, noch bevor sie ein Publikum zu sehen bekam.

Sonja Lippuner (*1987, Münsterlingen) erhält mit der Installation in der Kunsthalle Arbon ihre erste grössere Einzelausstellung. Ihr Schaffen kreist um die stete Aneignung und Neubeurteilung von Materialien, Form und Raum. Zunächst lotete sie diesen Prozess in ausgeprägt formbewussten Objekten aus, in denen etwa Marmor, Gips und Karton aufeinandertrafen und die sie zu installativen «Landschaften» fügte. Seit rund zwei Jahren beschäftigt sie sich nun mit grossformatigen Zeichnungen auf Tuch, die sie räumlich arrangiert. Für das Projekt in der Kunsthalle Arbon hat sie diesen Ansatz – wörtlich – um eine neue Dimension erweitert.

Sonja Lippuners Ausstellung «orten» ist eine installative Malerei, eine Landschaft für den Spaziergang des Blicks, ein Territorium für Denkräume. Am liebsten würde man eintauchen in diese geheimnisvollen, dunklen Seen, und dabei Wellen schlagen mit der Kraft der Farben, die sich in konzentrischen Ringen um die Teiche legen. Oder sind die drei schwarzen, kreisrunden Flächen vielmehr Vulkankrater, Vertiefungen ins Erdinnere, umgeben von topographischen Erhebungen, die auf einer grossflächigen Landkarte mit bunten Höhenlinien kenntlich gemacht sind? Sind es – in ganz anderer Massstäblichkeit gedacht – mikroskopische Aufnahmen von Zellen, Kartografierungen des menschlichen Körpers zum Beispiel, die in diesem zwanzigsten Jahr des 21. Jahrhunderts ganz neue Aufmerksamkeit und Relevanz gewonnen haben?

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